Neue OZ: Kommentar zu Kultur / Hochhuth
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Nach dem Holocaust kann es in Deutschland kein unbefangenes Reden
über Israel geben. Wer sich darauf einlässt, auch wenn es nach bestem
Wissen und Gewissen geschieht, der muss einem möglichen Vorwurf des
Antisemitismus sensibel begegnen. Ganz einfach, weil ungeheuere, über
Generationen fortwirkende Verletzungen dahinterstehen.
Zum lauteren Umgang mit der Geschichte gehört es aber auch, das
Wort vom Judenhass nicht als Mittel zum Zweck zu missbrauchen. Wenn
Hochhuth die ganze Akademie der Künste zu Antisemiten erklärt, um als
vermeintlich letzter Rechtschaffener den Saal zu verlassen, dann muss
der Holocaust offenbar in der unangemessensten Weise für die
Selbstdarstellung eines Einzelnen herhalten.
Besonders ärgerlich ist, dass hier eine Diskussion noch vor dem
ersten Wort verhindert werden sollte, ausgerechnet mit dem
Antisemitismus-Vorwurf. Der Rassenhass der Nazis vermengte sich stets
mit einer Aversion gegen das als Zersetzung geschmähte analytische
Denken. Auch wer zornige Redeverbote erteilt, begibt sich also in
unheilvolle Traditionen.
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Datum: 07.05.2012 - 22:00 Uhr
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