Lausitzer Rundschau: Was für ein Irrsinn
Politik und Wirtschaft versagen bei Infrastrukturprojekten
ID: 635171
Berliner Flughafen-Pleite ist nicht nur peinlich für eine Stadt, die
so gerne eine Metropole sein will und doch nicht über das
provinzielle "arm, aber sexy" hinauskommt. Obendrein steht das
Debakel um Schönefeld für eine fatale Entwicklung im Großen wie im
Kleinen. Fehlplanungen, immense Kostensteigerungen, wachsender
Bürgerfrust - das ist inzwischen deutsche Normalität, wenn sich
Politik und Wirtschaft daran machen, Infrastruktur- und
Prestigeprojekte in die Tat umzusetzen. Teurer geht's immer,
billiger nie. Was für ein Irrsinn. Vom Norden bis zum Süden lassen
sich unzählige Großprojekte finden, bei denen sich der Steuerzahler
angesichts der Kostenexplosionen nur verwundert die Augen reiben
kann. Ob bei Hamburgs Elbphilharmonie oder Stuttgarts neuem Bahnhof,
kein Tag vergeht, an dem nicht über irgendeinem Vorhaben die
Schlagzeile steht: "... wird teurer als geplant". Doch wie kann das
sein? Pünktlichkeit, Präzision und Effizienz waren einmal deutsche
Tugenden und Ausdruck von wirtschaftlicher Stärke. Aus, vorbei. Das
gilt nicht mehr. Der Grund ist simpel: Es mangelt schlichtweg an
Verantwortungsbewusstsein für öffentliche Gelder. Insbesondere bei
Bauvorhaben steckt System dahinter. Erst werden die notwendigen
Mittel künstlich klein gerechnet, dann wird losgebaut, und wenn die
Fakten geschaffen sind, rücken die Planer mit den wahren Summen raus.
Nicht immer, aber immer öfter. Die Politik - vom Bundesminister bis
zum Kämmerer - nimmt dieses Spiel lieber in Kauf, statt mutig und
gewissenhaft klare Kante zu zeigen. Dann eben nicht, das traut sich
keiner zu sagen. Obwohl es manchmal besser wäre. Das alles geht
zulasten der Bürger, die für die Mehrkosten aufkommen müssen. Mit
Geld, das anderswo dringend benötigt wird. Gewiss, seriöse
Kalkulationen werden immer schwieriger angesichts der wachsenden
Komplexität von Bauprojekten. Aber dass zu häufig derjenige bei
öffentlichen Ausschreibungen gewinnt, der die niedrigsten und eben
nicht die realistischen Kosten ansetzt, dürfte unumstritten sein.
Seriosität muss deshalb wieder ein Markenzeichen deutscher Baukunst
werden. Das erfordert zugleich deutlich mehr Transparenz bei
Kalkulationen und Wirtschaftlichkeitsrechnungen. Allein schon der
Umstand, dass die Gerichte in Deutschland häufiger als früher von
Anwohnern und Betroffenen bemüht werden, belegt, dass sich die Bürger
nicht länger mit mangelnder Beteiligung, Kostensprüngen wie von Gott
gegeben und Planungsfehlern abfinden wollen. Politik und Wirtschaft
stehen in der Pflicht, darauf zu reagieren. Und das nicht erst seit
Schönefeld.
Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau
Telefon: 0355/481232
Fax: 0355/481275
politik@lr-online.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 09.05.2012 - 21:45 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 635171
Anzahl Zeichen: 3064
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Cottbus
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 258 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Lausitzer Rundschau: Was für ein Irrsinn
Politik und Wirtschaft versagen bei Infrastrukturprojekten"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Lausitzer Rundschau (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Es ist übertrieben, Restaurantbesuche in der Corona-Pandemie noch stärker zu beschränken - indem wie jetzt in Sachsen und Brandenburg Geimpfte und Genesene zusätzlich einen negativen Schnelltest vorweisen müssen. 2G plus bevorzugt die Geboosterten vor jenen Erwachsenen beim Essen gehen, die
Fehlende Lobby für die Lausitz? - Zu den Abgeordneten in Bundestagsausschüssen ...
Für die Lausitz wird es ernst im Strukturwandel. Wichtige Entscheidungen zum Kohle-Ausstieg, aber auch zur Verteilung der zugesagten Milliarden-Zahlungen zur Anpassung des Wandels stehen an. Ein wichtiges Wort spricht dabei der Bundestag mit. Die entsprechenden Gesetze müssen dort verabschiedet
Sachsens neue Bürgerlichkeit - zum Regierungsbündnis in Corona-Zeiten ...
Meißen wird gern als die Wiege Sachsens bezeichnet. Aktuell hat der Kreis rund um die alte Bischofsstadt an der Elbe einen traurigen Rekord zu vermelden. Mit 2328,1 führt er die Inzidenz-Statistik an, dicht gefolgt vom benachbarten Mittelsachsen mit 2099,4. Das sind erschreckend hohe Zahlen, fü
Weitere Mitteilungen von Lausitzer Rundschau
Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Flughafen Berlin von Thomas Dietz ...
Megaprojekte wie der Bau von Teilchenbeschleunigern, Großkraftwerken, Fehmarnbelt-Tunnel oder Elbphilharmonie sind unvorstellbar kompliziert, das ist ein alter Hut. Diese Weisheit dürfte auch der Projektsteuerung des Hauptstadt-Flughafens nicht entgangen sein. Aber solch einen gigantischen Ri
Schwäbische Zeitung: Verschoben ist nicht aufgehoben - Kommentar ...
Gut Ding will Weile haben. Das gilt in Finanzangelegenheiten nicht immer. Je schneller sich die europäischen Staaten auf eine neue Haushaltsdisziplin und Schuldenbremsen verständigen, desto besser. Der Fiskalpakt ist zwischen 25 Staaten verhandelt, und selbst die SPD denkt nicht im Ernst daran,
Badische Neueste Nachrichten: Querschüsse ...
Der Stabilitätspakt sollte den Euro auf Dauer stabil halten - nur, niemand hielt sich an das Abkommen. Auch die Deutschen nahmen viel zu hohe Staatsdefizite in Kauf, um sich gegen die Wirtschaftskrise zu stemmen. Jetzt soll es der Fiskalpakt richten. Aber schon bevor die Tinte unter dem Abkomme
FT: Flensburger Tageblatt ...
Nach der Gewalttat von Salafisten gegen Bonner Polizisten ist es zwar erforderlich, dass der Rechtsstaat alle zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpft - von der Strafverfolgung über Demonstrations- und Vereinsbeschränkungen bis zur Ausweisung. Notwendig ist aber vor allem die Rückbesinnung




