Weser-Kurier: Kommentar zu Kristina Schröder
ID: 651298
ihre Funktion gezwungen, könnte man glatt Mitleid bekommen mit
Kristina Schröder. Ihre Karriere begann sie als Senkrechtstarterin.
So jung, so hübsch, plötzlich obendrein auch noch so bedeutend. Und
nun? Jung ist sie immer noch, hübsch auch, doch bedeutend sind vor
allem ihre Misserfolge. Selten haben eine Ministerin oder ein
Minister eine derartige Watsche bekommen wie Kristina Schröder für
ihr Zehn-Punkte-Programm zum Kita-Ausbau. Bemerkenswert an der
Watsche ist nämlich, dass Schröder aus den eigenen Reihen abgewatscht
worden ist. Von allen Seiten hagelt es Kritik an ihrem Gesetzentwurf.
Nicht nur wegen grundsätzlicher Bedenken am gesamten Konzept.
Obendrein komme das Programm zu spät, sei schlampig, unausgegoren,
unzureichend. Und im Internet ätzt jemand: "Der Sohn von Kristina
Schröder wird bestimmt Ni-Kita heißen." Pfui, wie gemein. Denn leicht
hat es die Bundesfamilienministerin nicht. Ihre Vorgängerin, Ursula
von der Leyen, funkt ihr mit Vergnügen und Übung in der Frauen- und
Familienpolitik dazwischen. Sie und andere haben das Kabinettsküken
von Beginn an nicht für voll genommen: Ihren Posten habe sie vor
allem ihrem Geschlecht und als Ziehtochter Roland Kochs dem
CDU-Länderproporz zu verdanken. Sie sei eine Vorzeigeministerin,
nicht weniger, aber auch nicht mehr. Tatsächlich hat Schröder vor
allem durch emsiges Twittern, ihre Hochzeit, die Geburt ihrer Tochter
und ihr Buch "Danke, emanzipiert sind wir selber!" von sich reden
gemacht. Die politische Bilanz? Blass, blasser, Kristina Schröder. In
ihrer politischen Unauffälligkeit wird sie damit wohl nur von einer
übertroffen: ihrer Vorvorvorvorgängerin, CDU-Familienministerin
Claudia Nolte. Immerhin bis heute unvergessen: Als "das
Blusenwunder", wegen ihres ausgeprägten Hangs zu rüschiger Kleidung.
Kristina Schröder droht ein ähnliches Schicksal. Auf Rüschenblusen
wird man sie gewiss nicht reduzieren können. Aber darauf, nur
"Merkels Mädchen" gewesen zu sein.
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Datum: 01.06.2012 - 23:29 Uhr
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