Schwäbische Zeitung: Nicht klagen, umdenken - Leitartikel

Schwäbische Zeitung: Nicht klagen, umdenken - Leitartikel

ID: 653444
(ots) - Er ist in aller Munde - und doch ist umstritten,
ob es ihn gibt: der Fachkräftemangel. Die Politik macht sich gerne
für Aktionen stark, die ihn abmildern sollen. Unternehmen klagen,
dass sie schwer Fachkräfte finden. Aber Arbeitssuchende wundern sich,
warum sie Absagen kassieren. Wer gehört überhaupt in diese gesuchte
Kategorie?

Tatsächlich geht es nicht nur um Ingenieure und IT-Spezialisten,
sondern auch um qualifizierte Mitarbeiter im Handwerk, in der Pflege
und im Handel. Einige Branchen spüren schon einen Mangel an
Fachkräften, andere noch nicht. Das Gros der Demografie-Experten
glaubt: Mit der Zahl der Menschen in Deutschland schrumpft die Zahl
der Fachkräfte.

Jobsuchenden fallen die Chancen deswegen nicht vor die Füße:
Arbeitnehmer müssen am Ball bleiben. Lange Jobpausen, geringe
Qualifikation und versäumte Weiterbildung verschlechtern die
Aussichten - auch bei Fachkräftemangel. Das ist aber nur eine von
fünf Schrauben, an denen gedreht werden muss. Die Zweite: Es ist
unerlässlich, dass Deutschland für ausländische Fachkräfte - die
Besten im globalen Wettbewerb - attraktiver wird. Dritte Schraube:
Nachwuchs ins Haus holen. Es gibt Betriebe, die sich Investitionen in
Aus- und Weiterbildung sparen und qualifiziertes Personal woanders
abgreifen. Hausgemachte Probleme. Wer als Unternehmen attraktiv
bleiben will, muss mehr bieten als die Lohntüte. Vierte Schraube:
Frauen. Qualifiziert, motiviert - doch die Familiengründung wirft sie
viel zu oft aus der Berufslaufbahn. Damit das so bleibt, zahlt die
Politik nun 100 Euro Betreuungsgeld anstatt Eltern bei der
Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu unterstützen. Ein falscher
Schritt, wenn die Regierung im Kampf gegen den Fachkräftemangel ernst
genommen werden will.

Umso mehr müssen Unternehmen umdenken und Chancen schaffen: für


ausländische Fachkräfte, für berufstätige Eltern, für die Jugend, und
- fünfte Schraube - für die über 50-Jährigen. Denn das Potenzial ist
da. Wer über Fachkräftemangel klagt, muss sich öffnen für patente
Bewerber, die bislang durchs Raster gefallen sind.



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Schwäbische Zeitung
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Datum: 05.06.2012 - 21:15 Uhr
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