Schwäbische Zeitung: Wer wegschaut, wird mitschuldig - Leitartikel
ID: 655643
Pfingstsonntag in Aldingen verhungert und verdurstet ist, liegen
Kränze, Schleifen, selbst verfasste Gedichte. Ein Teddy soll Trost
spenden. Zeichen der Betroffenheit. Betroffen von diesem Fall sind
nicht nur die Menschen, die Maya gekannt haben, ihr aber nicht helfen
konnten. Betroffen ist eine ganze Gesellschaft, die die Kultur des
Hinschauens und Reagierens verlernt hat.
Denn immer wieder stellt sich nach Fällen wie dem in Aldingen
heraus, dass Verwandte, Freunde, Bekannte, Nachbarn und auch Behörden
glaubten, die Familie und ihre Verhältnisse zu kennen. Es gab
Kontakte, Besuche und auch Hilfsangebote. Alles ernst gemeint, jeder
hatte ein gutes Gewissen. Doch am Ende stirbt ein Kind, weil in
letzter Konsequenz dann doch niemand zuständig war, niemand
Verantwortung übernahm und niemand die Warnsignale hörte. Gerichte
werden entscheiden müssen, ob - und falls ja - wer welche Fehler
begangen hat.
Der Fall zeigt auch, dass wichtige Mechanismen in der Gesellschaft
nicht mehr richtig funktionieren. Von den sogenannten sozialen
Netzwerken ganz zu schweigen. Mayas Mutter, die auch bei Facebook
unterwegs war, mag dort Dutzende Freunde gehabt haben. Aber keiner
konnte oder wollte ihr und ihren Kindern helfen. Daher ist es
irreführend und gefährlich zugleich, von wahren Freundschaften,
echtem Sozialverhalten oder belastbaren Netzwerken im Internet zu
sprechen.
Gebt besser aufeinander acht: So könnte die Lehre aus dem Tod der
kleinen Maya lauten. Es geht nicht darum, jemanden auszuspionieren,
zu verraten oder - banal gesagt - zu petzen. Vielmehr braucht die
Gesellschaft mehr sozialen Kitt. Wer ehrlich aufmerksam, aufrichtig
am Gegenüber interessiert, kritisch begleitend in seiner Familie ist,
am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis sein Umfeld pflegt und die
Zivilcourage aufbringt, Missstände anzusprechen, der unternimmt viel,
um neuerliche Dramen zu verhindern. Wer wegschaut, wird mitschuldig.
Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 07561-80 100
redaktion@schwaebische-zeitung.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 08.06.2012 - 21:15 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 655643
Anzahl Zeichen: 2359
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Leutkirch
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 263 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Schwäbische Zeitung: Wer wegschaut, wird mitschuldig - Leitartikel"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Schwäbische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Weitere Mitteilungen von Schwäbische Zeitung
Rheinische Post: Nummernschild als Bekenntnis ...
Ein Kommentar von Ulli Tückmantel: Noch vor einem Jahr sperrte sich das SPD-geführte NRW-Verkehrsministerium (wie bereits die CDU/FDP-Vorgänger-Regierung) dagegen, Autofahrer bei einem Umzug innerhalb Nordrhein-Westfalens ihr Kennzeichen auf Wunsch behalten zu lassen. Die immer gleiche Arg
Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar FDP und Finanztransaktionssteuer Klare Alternativen ALEXANDRA JACOBSON, BERLIN ...
Nicht nur fürs Protokoll muss festgehalten werden: Die FDP hat sich bewegt und am Donnerstag in den Verhandlungen mit der Opposition einer Finanztransaktionssteuer zugestimmt. Für eine Partei, die sich sonst das Wort "Steuern" nur im Zusammenhang mit Streichen, Kürzen, Senken vorstel
Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR Aussichten des US-Präsidenten auf Wiederwahl sinken Obama im Dollar-Tsunami DIRK HAUTKAPP, WASHINGTON ...
Die Zeiten, in denen Barack Obama seinen republikanischen Herausforderer insgeheim leise belächelt hat, liegen noch gar nicht so lange zurück. Noch im Frühjahr legte Mitt Romney im unwürdigen Hahnenkampf mit den Konkurrenten aus dem eigenen Lager so manchen Slapstick hin, der an der Eignung de
Rheinische Post: Niebels Fehler ...
Ein Kommentar von Gregor Mayntz: FDP-Wirtschaftsminister Möllemann stolperte einst über einen winzigen Pfandchip, für den er auf Regierungspapier warb, obwohl ihn ein Verwandter produzierte. Verglichen damit ist der neun Quadratmeter große Teppich, den Entwicklungsminister Niebel in Afgh




