Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Bildungsbericht
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Der neue Bildungsbericht malt die Situation rosarot: bessere
Förderung der Unter-Dreijährigen, mehr Ganztagsschulen, jeder Zweite
studiert, mehr Lehrstellen, Migranten holen auf. Doch unter der
Oberfläche sieht es besorgniserregend aus. Jeder fünfte Bürger bleibt
funktionaler Analphabet, was heißt, dass bei sinkender
Bevölkerungszahl die absolute Zahl der Bildungsverlierer steigt.
Kleinkinder werden aushäusig statt in der Familie sozialisiert.
Schulen dienen als Verwahranstalten für Schlüsselkinder. Lehrstellen
bleiben mangels qualifizierter Jugendlicher unbesetzt - und wer
beschafft einem Volk von Akademikern genug Arbeitsplätze? Immer dort
wo im Bericht konkrete Maßnahmen zur Behebung der Probleme formuliert
werden müssten, bleibt der Text wolkig. Wer akademische Publikationen
zu lesen versteht, erkennt: Hilflosigkeit. Fazit: Die deutsche
Bildungspolitik bleibt eine Baustelle. Dass auf diesem Bauplatz
jemals ein bezugsfertiges, den Anforderungen der Moderne
standhaltendes Gebäude stehen wird, ist wenig wahrscheinlich.
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Andreas Kolesch
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Datum: 22.06.2012 - 19:52 Uhr
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