NABU zieht ernüchternde Bilanz bei Vogelschutzmaßnahmen an Strommasten
ID: 667276
in Deutschland noch Zeit, Maßnahmen an Mittelspannungsfreileitungen
umzusetzen, die Stromschläge bei Vögeln verhindern. Mit Blick auf den
bevorstehenden Fristablauf zieht der NABU Bilanz: Von den
identifizierten gefährlichen Strommasten der aktuell existierenden
120.000 Kilometer Mittelspannungsleitungen in den jeweiligen
Versorgungsgebieten der Bundesländer wurden bisher etwa 60 Prozent
entschärft, wie aus einer NABU-Umfrage bei den zuständigen
Landesministerien hervorgeht. "Es ist begrüßenswert, dass einige
Bundesländer und Energieversorger die permanente Gefahr für tausende
Vögel, an Strommasten zu verenden, erkannt haben und engagiert
angegangen sind. Leider hat die Hälfte der 13 Flächenländer die zehn
Jahre zur vollständigen Umrüstung verschlafen", kritisierte
NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller die Entwicklung.
Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt seit 2002 vor, dass neue
Strommasten vogelsicher zu bauen und bestehende gefährliche
Mittelspannungsmasten bis 2012 technisch nachzusichern sind. Die
zugrunde liegenden Vorschriften gelten flächendeckend als
verbindlich. Vogelschutzmaßnahmen sind notwendig, weil insbesondere
große Vögel wie Störche, Greifvögel und Eulen auf Strommasten landen
und so Erd- oder Kurzschlüsse auslösen. Der so genannte Stromtod ist
etwa beim Weißstorch die häufigste Todesursache in seinen
Brutgebieten. Strommasten können jedoch mit Schutzhauben,
Markierungen oder Isolationstechniken dagegen gesichert werden.
Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen haben auf die
NABU-Abfrage zum Stand der fristgemäßen Umrüstung nicht geantwortet.
Unter den Ländern mit den größten Mittelspannungsnetzen befindet
sich lediglich Nordrhein-Westfalen bei der Umrüstung nah am Ziel.
Hier sollen nach Angaben der zuständigen Behörden bisher rund 52.000
von 63.000 gefährlichen Masten gegen den Vogel-Stromtod gesichert
worden sein. Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt sind mit
über 70 Prozent Umrüstungsbestand optimistisch, die Frist einhalten
zu können. "Sechs Monate vor Fristende hat kein einziges Flächenland
eine vollständige Entschärfung erreicht. Wenn der Sicherungsbedarf in
zehn Jahren so stiefmütterlich behandelt wurde, ist fraglich ob bis
zum Jahresende 100 Prozent erreicht sein werden", so Miller.
Ein effektiver Vogelschutz ist die Erdverkabelung, die 2010
bundesweit bereits 75 Prozent bei der Mittelspannung ausmachte.
Einzig und allein die Stadtstaaten können so eine fristgemäße
Umrüstung vorweisen. So waren Berlin und Hamburg bereits 2006 fertig
und Bremen steht kurz vor Abschluss der Erdverkabelung. Aber auch in
Flächenländern wie Schleswig-Holstein geht es bei der
Risikoverminderung voran: Bei der Entschärfung 187 sensibler
Leitungsbereiche bis zum Jahresende werden dort bereits drei Viertel
der Mittelspannungs-Leitungen unter die Erde verlegt sein. Andere
Länder, wie Hessen oder Bayern, beschränken sich bei ihren
Umrüstungsplänen nur auf EU-Vogelschutzgebiete oder Brutvorkommen
besonders bedrohter Arten. Aus Sicht des NABU macht eine zeitliche
Priorisierung auf Gebiete mit dem dringendsten Handlungsbedarf
innerhalb der Zehn-Jahres-Frist durchaus Sinn, reicht aber nicht aus.
"Für einen effektiven Vogelschutz ist es notwendig, über die
Schutzgebietsgrenzen hinweg flächendeckend alle Masten sicher gegen
Stromschläge zu machen. Gerade besonders geschützte Großvogelarten
wie etwa Schwarzstorch und Seeadler, die dank erfolgreicher
Schutzkonzepte in ihren Beständen wieder zunehmen, müssen sich
ausbreiten können", so Eric Neuling, NABU-Experte für Stromnetze und
Naturschutz.
Brutvorkommen seltener Großvögel gibt es gerade im Norden
Deutschlands. Umso schwerer wiegt es, dass Brandenburg und
Niedersachsen die Schlusslichter bei der Befragung darstellen. Mit
den in Brandenburg augenscheinlich fehlenden Kenntnissen über den
tatsächlichen Bestand gefährlicher Masten und über den
Sicherungsbestand, muss hier zunächst noch Grundlagenarbeit geleistet
werden. In Niedersachsen wurde bisher nur jeder dritte Mast
umgerüstet. Verzögerungen sind dadurch vorprogrammiert. "Es ist
notwendig, dass in der verbleibenden Zeit alles unternommen wird, um
auch in diesen Ländern Fortschritte zu erzielen. Die Erfolge müssen
zudem von Instanzen geprüft werden, die vom Netzbetreiber unabhängig
sind und die Kontrollen ab 2013 weitergeführt werden", so Neuling.
Vollständige Liste der Ergebnisse aus der Befragung nach
Bundesländern im Internet zu finden unter www.NABU.de
Originaltext vom NABU
Pressekontakt:
Eric Neuling, NABU-Experte für Stromnetze und Naturschutz, Tel.
030-284984-1812
NABU-Pressestelle, Telefon: 0 30.28 49 84-1510, -1722, -1952
Telefax: 0 30.28 49 84-2500, E-Mail: Presse@NABU.de
Redaktion: Kathrin Klinkusch, Britta Hennigs, Iris Barthel
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Datum: 26.06.2012 - 12:00 Uhr
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