Schwäbische Zeitung: Fluglärmstreit geht weiter - Leitartikel
ID: 673135
der Bundesrat in Bern eigentlich jahrelang verhandelt? Um den
sogenannten gekröpften Anflug auf den Zürcher Flughafen. Um An- und
Abflüge nach und von Zürich über deutschem Gebiet. Im
deutsch-schweizerischen Fluglärmstreit ging es phasenweise so
ideologisch laut und nationalistisch hämisch zu wie beim wesentlich
bedeutsameren Konflikt um deutsche Fluchtgelder auf Schweizer Konten.
Das hätte alles nicht sein müssen, wenn die Schweiz ein bisschen
weniger egoistisch aufgetreten wäre. Es ging hier ja nicht um die
Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens, sondern darum, welche Bürger den
Krach ertragen sollen. In einer vernetzten Welt kann man eben nicht
mehr so tun, als gingen einen die Klagen der Nachbarn nichts an.
Nun haben sich Bundespräsidentin Doris Leuthard und der deutsche
Verkehrsminister Peter Ramsauer geeinigt. Doch eigentlich scheint
sich nichts geändert zu haben. Die Zürcher fühlen sich über den Tisch
gezogen, der Kleine fühlt sich vom Großen übervorteilt, wie meist im
schwierigen deutsch-schweizerischen Verhältnis. Ein
sozialdemokratischer Parlamentarier aus Zürich spricht gar von der
"totalen Kapitulation" der Schweiz vor dem deutschen Druck. Das ist
eine martialische Rhetorik, die die Schweizer sonst gerne deutschen
Politikern wie Peer Steinbrück ankreiden. Und die Grenzgemeinden in
Baden-Württemberg protestieren, denn die Lärmbelästigung bleibt für
sie leider ganz beträchtlich. Zudem haben sie den Eindruck, da habe
ein Verkehrsminister aus Bayern der ebenso charmanten wie attraktiven
Schweizer Amtskollegin leichtfertig Zugeständnisse gemacht, die nicht
die Bayern, aber die Baden-Württemberger ertragen müssen.
Im Grunde ist mit der jetzt gefeierten Einigung auf einen
Staatsvertrag nicht viel erreicht: Beide Parlamente müssen noch
zustimmen, und in der Schweiz steht auch noch eine Volksabstimmung zu
dem Abkommen an. Der Streit geht weiter, der Lärm auch, erreicht ist
nichts.
Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 07561-80 100
redaktion@schwaebische-zeitung.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 03.07.2012 - 21:28 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 673135
Anzahl Zeichen: 2361
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Leutkirch
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 312 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Schwäbische Zeitung: Fluglärmstreit geht weiter - Leitartikel"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Schwäbische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Weitere Mitteilungen von Schwäbische Zeitung
Lausitzer Rundschau: Verlässlichkeit fehlt Zum neuen Streit über die Familienpolitik ...
Es gibt keinen politischen Mechanismus, den man einfach nur umlegen muss, damit junge Paare sich wie selbstverständlich für Kinder entscheiden. Wer das glaubt oder verspricht, der hat sich weit entfernt von der Lebenswirklichkeit. Umso wichtiger ist es, dass sich begleitende Familienpolitik au
Schwäbische Zeitung: Verantwortung geht anders - Kommentar ...
Wer täglich mit der Scheidung droht, wird von seinem Partner kaum noch ernst genommen. Horst Seehofer sollte das bedenken, wenn er jetzt zum wiederholten Mal ein Ende der Koalition an die Wand malt. Diesmal nicht wegen des Betreuungsgeldes, sondern wegen der Europapolitik der Kanzlerin. Dabei w
Lausitzer Rundschau: Und immer wieder England Der britische Premier, der Euro und die Schuldenkrise ...
Das, was der britische Premierminister David Cameron am Montag im Unterhaus und am Dienstag vor den Lords in Sachen Euro und EU zum Besten gab, mag auf den ersten Blick wenig Neues enthalten. Von den englischen Konservativen, dieser skurrilen, unnachahmlichen Mischung aus unterkühlter Zurückha
Badische Neueste Nachrichten: Kurswechsel ...
Der Dschinn ist aus der Flasche befreit. Ein überraschendes Versprechen von Premier David Cameron hat Großbritannien in Aufruhr versetzt. In London wird leidenschaftlich über einen Zeitplan für ein mögliches EU-Referendum diskutiert. Genüsslich werden die Vor- und Nachteile einer "spl




