Rheinische Post: Euro-Mahner aus der Studierstube
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Das macht Eindruck: Gleich 160 Wirtschaftsprofessoren haben einen
offenen Brief unterzeichnet, mit dem sie gegen die Euro-Politik von
Angela Merkel protestieren. Mit Sätzen wie "Gerettet wird nicht der
Euro, geholfen wird der Wall Street" treffen sie den Nerv vieler
Bürger, die fürchten, ihr Steuergeld werde zur Finanzierung von
Investmentbanker-Boni missbraucht. Sind die Deutschen die Deppen
Europas? Kann die Kanzlerin es nicht? Gemach. Nach Fehlern zu Beginn
der Griechenland-Krise hat Merkel gelernt. Auf vielen Gipfeln stand
sie allein gegen den Rest der Welt und verteidigte den Grundsatz
"Deutsches Geld nur gegen mehr Kontrolle". Zwangsläufig muss sie
Kompromisse eingehen. In der Studierstube gibt es schwarz und weiß,
in der Politik bestenfalls guten Kompromisse, gerade in Europa. Hinzu
kommt die Verantwortung: Fehler der Forscher sind ärgerlich, Fehler
der Politik (wie in der Lehman-Krise) erschüttern die Welt.
Entsprechend scharf wies Merkel den Protest zurück. Sie wird auch
genau registriert haben, wer den Brief unterzeichnet hat: nicht die
Wirtschaftsweisen, sondern viele Ökonomen, die gern in Talkshows
sitzen. Hervorgetan haben sie sich mit Vorschlägen, dass wahlweise
Griechenland (Prof. Sinn) oder Deutschland (Prof. Homburg) aus dem
Euro austreten. Nett in der Theorie, verheerend in der Praxis.
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Datum: 05.07.2012 - 20:53 Uhr
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