Lausitzer Rundschau: Zum Transplantations-Skandal im Göttinger Klinikum
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Patienten, weil für sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan zur
Verfügung steht. Vielleicht könnte der eine oder andere von ihnen
noch leben, wenn es bei der Zuteilung der dringend benötigten Leber,
Lunge oder Niere stets mit rechten Dingen zugegangen wäre. Ist es
aber nicht, wie der jüngste Skandal im Göttinger Universitätsklinikum
zeigt. Durch ärztliche Manipulation wurden dort Patienten kurzerhand
für kränker erklärt, um auf der Warteliste für ein Spenderorgan nach
oben zu rücken. Für den verantwortlichen Arzt stand also nicht die
medizinische Dringlichkeit im Vordergrund, sondern die dringliche
Verbesserung seines finanziellen Fortkommens. Eine andere Erklärung
dafür dürfte es kaum geben, zumal der hauptverdächtige Internist
schon vorher wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit aufgefallen war.
Der erschreckende Vorgang markiert nicht nur eine kaltschnäuzige
Verletzung aller ethischen Normen, die dem Mediziner-Stand heilig
sein müssten. Er torpediert auch sämtliche Anstrengungen der
Bundesregierung, mit dem kürzlich verabschiedeten
Transplantationsgesetz die ohnehin schon nicht sonderlich ausgeprägte
Organspendebereitschaft in der Bevölkerung zu beflügeln. Warum sich
dafür noch hergeben, wenn man vermuten darf, dass die Spende bei den
Falschen ankommt? Und was soll eigentlich die Masse der Menschen
denken, die auf ein lebenswichtiges Organ wartet, aber weiter
vertröstet wird? Der Göttinger Fall hat viel Vertrauen zerstört. Um
es wieder herzustellen, ist zuallererst eine brutalst mögliche
Aufklärung der kriminellen Machenschaften notwendig. Und es braucht
verstärkte Kontrollen in den Kliniken. Dafür bietet das neue
Transplantationsgesetz übrigens eine gute Handhabe.
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Datum: 20.07.2012 - 20:22 Uhr
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