Neue OZ: Kommentar zu China / Justiz / Ai
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Seinen Prozess hat er verloren. Ai Weiwei durfte nicht mal im
Gericht erscheinen, als es um seine Klage gegen angebliche
Steuerschulden in Millionenhöhe ging. Trotzdem geht er als Sieger vom
Platz. Das Forum eines Gerichts braucht Chinas weltberühmter Kritiker
nicht. Gleich nach dem Urteil hatte er Stellungnahmen in die Welt
getwittert. Auch die Strafe trifft ihn kaum. Die Steuerschuld ist
bezahlt, aus Spenden. Außerdem ist der Kunstmarkt zynisch: Mit jedem
Akt der Repression steigert China den Marktwert seines Kritikers.
Damit nimmt Ai eine Ausnahmeposition ein, die vielen seiner
drangsalierten Kollegen nicht offensteht.
Wichtiger als der westliche Kunstmarkt ist aber die
innerchinesische Debatte: Ai klagt für sich die verbrieften Rechte
aus Chinas Verfassung ein. An seinem Beispiel verfolgt das Land mit:
Welche Paragrafen gelten, welche nicht? Und wer beugt hier eigentlich
das Recht: die Partei? Selbstdarsteller in untergeordneten Behörden?
Diese unsichtbaren Zusammenhänge transparent zu machen ist Ais
eigentliches Werk.
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Datum: 20.07.2012 - 22:00 Uhr
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