Lausitzer Rundschau: Schluss mit lustig Zum Urteil des Bundesverfassungsgerichtsüber das Wahlrech

Lausitzer Rundschau: Schluss mit lustig

Zum Urteil des Bundesverfassungsgerichtsüber das Wahlrecht

ID: 687840
(ots) - Mit einer Mischung aus Laxheit und
Überheblichkeit, die daraus resultiert, dass man die Macht offenbar
für ein Gewohnheitsrecht hält, waren CDU und FDP mit dem Urteil des
Verfassungsgerichts aus dem Jahr 2008 umgegangen. Es hatte das
damalige Wahlrecht wegen verzerrender Effekte der Überhangmandate für
grundgesetzwidrig erklärt. Die vom Gericht damals gewährte
dreijährige Frist für eine Reform ließ man ungerührt verstreichen,
wählte 2009 noch einmal einen Bundestag unter den beanstandeten
Vorschriften und legte erst Ende 2011 eine Novelle vor, die die
Bedenken der Juristen großzügig ignorierte. Mit dieser
Überheblichkeit behandelte man auch die anderen Parteien, die
demokratischen Mitbewerber. Statt wie noch immer in der
Nachkriegsgeschichte einen Konsens in dieser zentralen Frage der
Demokratie zu suchen, setzte man sich mit der eigenen Mehrheit auf
Biegen und Brechen durch und hielt kaum verändert an den
Überhangmandaten fest - natürlich, weil zuletzt nur noch CDU und CSU
davon profitierten. Derzeit mit 24zusätzlichen Sitzen im
Bundestag, zehn Prozent der Unionsfraktion. Das war 2009 zwar nicht
entscheidend für die Mehrheit der schwarz-gelben Koalition, doch ohne
diese Sitze wäre es sehr knapp geworden. Das Verfassungsgericht hat
nun geantwortet. Schnörkellos: Die Gleichheit der Stimme ist
verletzt. Das Urteil vom Mittwoch ist eine regelrechte Klatsche,
wobei die Vorgaben des Gerichts für eine neue Reform sogar eher milde
sind. Die Richter begrenzen die Zahl der Überhangmandate auf maximal
15. Das Kriterium der Proportionalität der Sitze entsprechend der
Stimmanteile soll zugunsten der kleinen Parteien künftig stärker als
bisher beachtet werden - aber ohne dass die die großen Parteien
begünstigende Kombination mit der Direktwahl komplett infrage
gestellt wird. Extreme Verzerrungen wie das negative Stimmengewicht


darf es allerdings nicht mehr geben. Knallhart ist Karlsruhe jedoch
bei den neuen Fristen: Es gibt keine mehr. Ein noch einmal mit dem
jetzigen Wahlrecht gewählter Bundestag würde sofort aufgelöst werden,
so die Drohung. Schluss mit lustig. Setzen, Sechs. Union und FDP
werden nun nicht umhinkommen, doch noch einen allseits getragenen
Kompromiss im Bundestag zu suchen. Nur sind ihre Karten jetzt
deutlich schlechter, als sie es zuvor je waren. Im nächsten Bundestag
muss Schwarz-Gelb eine Mehrheit wohl oder übel durch die Überzeugung
der Wähler erreichen. Die Zeit der kleinen Tricks ist jedenfalls
vorbei. Und die der Überheblichkeit auch.



Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau

Telefon: 0355/481232
Fax: 0355/481275
politik@lr-online.de

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Allg. Zeitung Mainz: Auf Tauchstation - Kommentar zum Nürburgring Mindener Tageblatt: Kommentar zu Verfassungsericht verwirft Wahlrechtsreform:/
Schallende Ohrfeige
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 25.07.2012 - 21:12 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 687840
Anzahl Zeichen: 2924

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Cottbus



Kategorie:

Innenpolitik



Diese Pressemitteilung wurde bisher 203 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Lausitzer Rundschau: Schluss mit lustig

Zum Urteil des Bundesverfassungsgerichtsüber das Wahlrecht
"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Lausitzer Rundschau (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Eine Regel zu viel - zur 2G-plus-Praxis in der Gastronomie ...
Es ist übertrieben, Restaurantbesuche in der Corona-Pandemie noch stärker zu beschränken - indem wie jetzt in Sachsen und Brandenburg Geimpfte und Genesene zusätzlich einen negativen Schnelltest vorweisen müssen. 2G plus bevorzugt die Geboosterten vor jenen Erwachsenen beim Essen gehen, die

Fehlende Lobby für die Lausitz? - Zu den Abgeordneten in Bundestagsausschüssen ...
Für die Lausitz wird es ernst im Strukturwandel. Wichtige Entscheidungen zum Kohle-Ausstieg, aber auch zur Verteilung der zugesagten Milliarden-Zahlungen zur Anpassung des Wandels stehen an. Ein wichtiges Wort spricht dabei der Bundestag mit. Die entsprechenden Gesetze müssen dort verabschiedet

Sachsens neue Bürgerlichkeit - zum Regierungsbündnis in Corona-Zeiten ...
Meißen wird gern als die Wiege Sachsens bezeichnet. Aktuell hat der Kreis rund um die alte Bischofsstadt an der Elbe einen traurigen Rekord zu vermelden. Mit 2328,1 führt er die Inzidenz-Statistik an, dicht gefolgt vom benachbarten Mittelsachsen mit 2099,4. Das sind erschreckend hohe Zahlen, fü


Weitere Mitteilungen von Lausitzer Rundschau


Allg. Zeitung Mainz: Auf Tauchstation - Kommentar zum Nürburgring ...
Die Politik in Rheinland-Pfalz hat sich in der Nürburgring-Krise abgemeldet: Die Hoffnungen ruhen nun auf zwei Juristen. Wirklich mit Ruhm bekleckert haben sich die beiden Sanierer bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt allerdings nicht: So haben sie ein Gesellschafterdarlehen des Landes versehe

WAZ: Eine Blamage für Schwarz-Gelb. Kommentar von Christian Kerl ...
Die Blamage ist perfekt. Zum zweiten Mal hat das Verfassungsgericht das Wahlrecht für den Bundestag verworfen. Den schwarz-gelben Reparatur-Versuch haben die Richter verärgert als Murks abgelehnt. Es ist die Quittung für ein beispielloses Versagen, für das Union und FDP die Verantwortung tra

Kieler Nachrichten: Kommentar Wahlrechtsurteil/ Tritt aus Karlsruhe ...
Man muss kein Jurist sein, um dieses Urteil nachvollziehen zu können: Ein Wahlrecht, das durch den Rückgriff auf Überhangmandate große Parteien überproportional bevorzugt und bei dem es für eine Partei sogar zum Nachteil werden kann, gewählt zu werden, kann nicht im Sinne der Verfassung sei

WAZ: Das Wohnen muss bezahlbar bleiben. Kommentar von Wilfried Goebels ...
Man muss kein Prophet sein: Die Kosten der Mieter und Hausbesitzer für Strom, Müll und Abwasser werden weiter steigen. Der Zubau von Wind- und Solaranlagen, neue Standards für Wohnungen, die Demografie und leere Kommunalkassen treiben die zweite Miete in die Höhe. Dass manche klamme Gemeinde


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z