Weser-Kurier: Kommentar zur Halbjahresbilanz der Bahn

Weser-Kurier: Kommentar zur Halbjahresbilanz der Bahn

ID: 688698
(ots) - Rüdiger Grube im Glück des Tüchtigen: Unter seiner
Führung fährt die Deutsche Bahn auf der Erfolgsspur, wird bei
Reisenden immer beliebter, steigert ihren Umsatz und ihre Gewinne.
Und das, weil Grube in seiner nunmehr dreijährigen Amtszeit einen
gründlichen Umdenkungsprozess durchgesetzt und Schluss gemacht hat
mit dem fatalen Kurs seines Vorgängers Hartmut Mehdorn. Und das
heißt: Statt des drastischen Personalabbaus, der Sparmaßnahmen bei
Wartung und Service gibt es nun Investitionen in das Streckennetz, in
Technik, einen neuen Fuhrpark, in neues Personal und Service. Und
Grube hat die Mehdornsche Misstrauensunkultur im Unternehmen durch
das Prinzip der Wertschätzung der Mitarbeiter ersetzt. Grube hat
natürlich auch Glück gehabt, dass der Ausbruch der Finanzkrise 2008
den Börsengang der Bahn verhindert hat. Denn diesem Ziel hatte
Mehdorn alles untergeordnet und den Staatskonzern auf Verschleiß
gefahren. Zu besichtigen war denn auch eine Bahn, die zum Symbol der
Unpünktlichkeit wurde, die im Winter mit vereisten Weichen und
schlappen Heizungen ihre Kunden zur Verzweiflung brachte, und im
Sommer Reisende wegen mangelhafter Klimaanlagen bei stolzen
Fahrpreisen bis zur Erschöpfung dünstete. Nein, alle Probleme hat
auch Grube noch nicht beseitigen können. Das zeigt sich nicht nur
ganz besonders extrem bei der nach wie vor hohen Zahl von
Zugausfällen bei der Berliner S-Bahn, das zeigt sich auch bei der
noch immer hohen Zahl von rund 1100 Langsamfahrstellen. Es fehlen
immer noch einige Hundert moderne Weichen, es müssen noch mehrere
Engpässe bei den Bahnknoten beseitigt werden, und der
Bundesverkehrswegeplan mit seinen zumeist veralteten Preisangaben
muss gründlich überarbeitet werden. Dabei ist der aktuelle Plan schon
mit knapp 16 Milliarden Euro überzeichnet. Zudem fehlt der Bahn
gerade auch bei den nötigen Investitionen in den Erhalt des


Schienennetzes und der Bahn-Infrastruktur das Geld, das sie an den
Bund als Dividende abführen muss. Dass allerdings das
Eisenbahnbundesamt so elendig lange bei der Zulassung neuer
Lokomotiven braucht und dass die Bahnindustrie längst nicht so
schnell neue Züge liefern kann, wie es nötig wäre - dafür kann Grube
nichts.



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