"Kluge Fragen auf die es bereits Antworten gibt." / Biogasrat+ e.V. nimmt Stellung zur Nationalen Akademie der Wissenschaften
ID: 688977
sich verwundert über die Studie der Leopoldina, Nationale Akademie
der Wissenschaften, "Bioenergie: Möglichkeiten und Grenzen". Reinhard
Schultz, Geschäftsführer des Biogasrat+ e.V.: "Ein Sammelsurium an
interessanten Fakten, Vorurteilen, Halbwahrheiten und Fehlern,
offensichtlich zusammengeschustert ohne roten Faden. Die Empfehlungen
haben zu großen Teilen nichts mit den vorgetragenen Fakten zu tun -
sie standen offenbar schon vorher fest. Auf viele gute Fragen, die
die Leopoldina aufwirft, gibt es längst belastbare und
wissenschaftlich abgesicherte Antworten, wie die jüngste
Stellungnahme des BioÖkonomieRates und des IPPC zur großen Rolle der
Biomasse für die Energiezukunft beweisen."
Schultz kritisiert, dass die Leopoldina fast immer flüssige
Biokraftstoffe meine, wenn von Bioenergie die Rede ist. Probleme der
Nachhaltigkeit in anderen Ländern würden bruchlos auf Europa und
Deutschland übertragen. Die Aussagen über die Verfügbarkeit von
Flächen für den Energiepflanzenanbau widersprechen allen nationalen
und internationalen Studien - auch den Aussagen des deutschen
Landwirtschaftsministeriums. Weder die Lebensmittelpreise noch der
Hunger in manchen Ländern haben irgendetwas mit Bioenergien zu tun,
sondern sind Ergebnis von Welthandelsstrukturen, die
Preisspekulationen Vorschub leisten und nachhaltigen Ackerbau in
Entwicklungsländer verhindern. Kritische Hinweise der Leopoldina auf
die Treibhausgasbilanz von Bioenergien seien längst Gegenstand
politischer Gestaltung, so Schultz weiter.
Biokraftstoffe müssen schon heute 35 Prozent Treibhausgasminderung
gegenüber dem europäischen Kraftstoffmix nachweisen, 2018 werden es
70 Prozent sein. Bei der Biogasproduktion muss nachgewiesen werden,
dass möglichst kein Methan unkontrolliert freigesetzt wird und durch
die Substitution von Phosphatdünger durch Gärreste leisten
Biogasanlagen längst einen zusätzlichen Beitrag zum vernünftigen
Nährstoffmanagement. So reduziert die Güllevergärung die Belastung
für das Grundwasser auf ein Minimum und verhindert unkontrollierte
Methanbildung auf dem Acker.
"Die Annahmen und Datengrundlagen der sogenannten Nationalen
Akademie der Wissenschaften sind entweder veraltet oder von
vornherein falsch. Keiner der beteiligten Autoren hat sich offenbar
mit der Praxis der Bioenergieproduktion und -nutzung, noch mit den
rechtlichen Rahmenbedingungen befasst. Ich bezweifele, dass die im
Impressum genannten Mitglieder der Arbeitsgruppe Bioenergie der
Leopoldina, bei denen sich der Herausgeber für das Lesen der
einzelnen Kapitel bedankt, an der Arbeit wirklich beteiligt waren",
kritisiert Reinhard Schultz.
Die Hinweise der Leopoldina, künftig verstärkt organische
Reststoffe für die Biogasproduktion zu nutzen, teile der Biogasrat+
ausdrücklich. Der Vorschlag allerdings, mehr Photovoltaik und
Windkraft anstelle von Biomasse für die Energieversorgung
bereitzustellen, sei - zumindest auf Photovoltaik bezogen - geradezu
aberwitzig, so Schultz.
Der Biogasrat+ wird in den nächsten Wochen eine ausführliche
Stellungnahme vorlegen.
Pressekontakt:
Janet Hochi/Marco Neher/Nantje Gloy
Tel.: +49 30 20059545
E-Mail: geschaeftsstelle@biogasrat.de
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Datum: 27.07.2012 - 11:49 Uhr
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Energie & Umwelt
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