Badische Neueste Nachrichten: Mittelweg
ID: 693130
Vereinten Nationen für Syrien war mehr als überfällig. Seine Mission
scheiterte bereits vor Wochen und diente zuletzt nur noch als
diplomatisches Feigenblatt, die Scham des Wegschauens bei der
blutigen Metzelei zu verdecken. Damit wird es nun Zeit, für die
Weltmächte Farbe zu bekennen. Zufall oder nicht sendet das Weiße Haus
genau das richtige Signal. Kurz vor dem Kofi-Rückzug sickerte an die
Presse durch, der US-Präsident habe eine geheime Direktive
unterzeichnet, die es den amerikanischen Geheimdiensten erlaubt, die
Rebellen direkt zu unterstützen. Das ist ein moralisch richtiger und
strategisch cleverer Schachzug. Und ein Musterbeispiel für Obamas
"versteckte Hand", mit der er in internationalen Konflikten "von
hinten" führt. So hatte einmal der stellvertretende
Sicherheitsberater Ben Rhodes den Stil des Präsidenten anschaulich
beschrieben. Statt große Fensterreden zu halten oder mit Kraftmeierei
seine Landsleute zu beeindrucken, handelt Obama mit präziser
Entschlossenheit. Wann genau er die Direktive unterzeichnet hat,
bleibt das Geheimnis des Weißen Hauses. Natürlich kommentiert
Washington Berichte über verdeckte Operationen nicht. Das liegt in
der Natur der Sache. Zumal die Schlapphüte in Syrien mit allergrößtem
Fingerspitzengefühl vorgehen müssen. Schließlich muss vermieden
werden, dass Waffen in die falschen Hände geraten. Vor allem nicht an
Kämpfer der Al Qaida. Wie in Libyen mischen sich die Amerikaner auch
in Syrien geschickt von innen ein, um dem Widerstand zu helfen, den
brutalen Diktator Baschar Al-Assad zu stürzen. Das birgt Risiken, wie
die lange Geschichte fehlgeschlagener Geheimdiensteinsätze nur zu gut
belegt. Gemessen an den anderen Optionen - ein direktes militärisches
Eingreifen oder Nichtstun in Syrien - wählte Obama einen vernünftigen
Mittelweg, der bereits Früchte trägt. Nach übereinstimmenden
Berichten aus der Region gehen die Rebellen bereits sehr viel
koordinierter vor und sollen sich nun auch gegen die Angriffe aus der
Luft verteidigen können. Wenn die jüngere Geschichte des Nahen Ostens
der Maßstab ist, dürften die Tage des Diktators in Damaskus nun
endgültig gezählt sein.
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Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
Telefon: +49 (0721) 789-0
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Datum: 02.08.2012 - 21:13 Uhr
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