Schwäbische Zeitung: Wohnen hat seinen Preis - Leitartikel
ID: 696575
jeden Monat die Hälfte seines Einkommens dem Vermieter überweist,
muss sparen können. Das trifft viele hart. Deshalb fordert der
Deutsche Mieterbund eine Grenze für Mieterhöhungen. Vielerorts ist
der Wohnraum so knapp, dass selbst jede abgewohnte Bude zum
Wucherpreis Interessenten findet. Der leergefegte Wohnungsmarkt und
steigende Energiekosten treiben Mieten auf schwindelerregende Höhen.
Wer diese Not gierig ausnutzt, gehört an den Pranger gestellt.
Aber Wohnen - vor allem schönes Wohnen - hat nun einmal seinen Preis.
Zwar ist dieser bisweilen hoch, aber oft berechtigt. Denn die
Ansprüche von Mietern sind gestiegen. Noch nie wohnten die Deutschen
so großzügig wie heute. Die Älteren erinnern sich: 1950 wohnte eine
Person im Durchschnitt auf 15 Quadratmetern, 2009 brauchte sie 43
Quadratmeter. Heute erwartet fast jedes Familienmitglied ein eigenes
Zimmer - bitteschön zentral, frisch renoviert, hell, mit
Tageslichtbad, Balkon, Parkett, und energetisch top, damit die
Nebenkosten im Rahmen bleiben. Geht was kaputt, richtet es der
Vermieter. Auch diesen Service deckt die Miete ab. Der Mieter behält
dabei volle Flexibilität und trägt keinerlei Risiken. Auch dafür
zahlt er die Miete.
Wie das bei steigenden Preisen für Energie, Handwerker, Gebühren
und Steuern ohne spürbare Mieterhöhungen funktionieren soll, bleibt
für Vermieter ein Rätsel. Eigentümer wissen, welch hoher Zeit- und
Kostenaufwand das Instandhalten einer Immobilie erfordert. Natürlich
liegt es bei einem Mieterwechsel nahe, Preise anzupassen, damit die
Kosten gedeckt sind. Nicht alle Vermieter sind derart privilegiert,
dass sie mit Mieteinnahmen den großen Reibach machen. Und nicht jeder
Eigenheimbesitzer wohnt gratis: Auch die Bank will ihre Raten und
Zinsen.
Schluss mit Jammern: Wer als Mieter ein kleines Budget hat, muss
bei Lage und Komfort Abstriche machen: in der Stadt bescheidener
wohnen oder aufs Land ziehen, wo die Quadratmeter günstiger sind. Es
geht Eigenheimbesitzern nicht anders.
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Schwäbische Zeitung
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Telefon: 07561-80 100
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Datum: 08.08.2012 - 21:05 Uhr
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