Westdeutsche Zeitung: Nationales Konzept für Sport und Sicherheit - Beid Seiten haben viel an sich

Westdeutsche Zeitung: Nationales Konzept für Sport und Sicherheit - Beid Seiten haben viel an sich zu arbeiten
Ein Kommentar von Olaf Kupfer

ID: 711871
(ots) - Der Fußball hat sich weit von einer
Vergangenheit entfernt, die von vielen Anhängern glorifiziert wird.
In dieser Vergangenheit galt das Abbrennen von Bengalos als kaum
verfolgte, südländisch anmutende Begeisterung, stand das Spiel noch
im Mittelpunkt, war ein Spieltag nicht in fünf Termine zersplittert.
Zwischen jenen Anhängern und dem Spiel blieb nicht viel Raum.
Inzwischen trennen beide Welten. Dass der DFB und vor allem die DFL
Fußball in zunehmendem Maß als Event inszenieren, dass Eckbälle im
Stadion vermarktet sind, dass die Anhänger nicht einmal beim Torjubel
allein gelassen, sondern durchchoreographiert werden, sind die
Auswüchse einer gewaltigen Vermarktungsmaschinerie - die man
kritisieren kann. Und die Teile der Fanszene anhaltend - leider auch
mit kriminellen Handlungen - bekämpfen.

Die enorme Distanz zwischen Verband und Fußball-Liga auf der einen
sowie den Ultras auf der anderen Seite ist unvermeidbar, weil erstere
eine explodierende Entwicklung befördern und verwalten müssen, an der
die anderen gar nicht teilnehmen wollen. Dass die daraus entstehende,
verständliche Protesthaltung allerdings in Gewalt umschlägt, ist
inakzeptabel. Und um genau diese Hooligans geht es.

Alle Runden Tische und Vermittlungsversuche sind aus diversen
Gründen gescheitert. Die jüngsten Vorkommnisse in den Stadien
sprechen in vielerlei Form für sich, die Gewaltbereitschaft ist
enorm. Dass diese Täter konsequent strafrechtlich verfolgt werden
müssen, daran gibt es keinen Zweifel. Genauso wenig daran, dass der
Staat für die Ordnung im öffentlichen Raum Sorge tragen muss - und
nicht die Vereine. Die nämlich haben andere Aufgaben, die sie ernster
denn je nehmen sollten: das Sicherheitspersonal kritischer als bisher
auszuwählen und zu schulen, aber auch die Arbeit in Fanprojekten
weiter zu intensivieren, Fans zur Selbstverantwortung zu führen und


einen mentalen Wandel innerhalb der Anhängerschaft zu fördern.

Bei Letzterem können freilich auch der Deutsche Fußball Verband
und die Deutsche Fußball Liga endlich helfend zur Seite springen:
indem das Geschäft mit dem Fußball nicht immer weiter überreizt wird.
Fest steht: Beide Seiten haben wirklich viel an sich zu arbeiten.



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Datum: 31.08.2012 - 20:47 Uhr
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