WAZ: "Bio" ist eine Chance, mehr nicht. Kommentar von Jens Dirksen
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Grundklang werden auch die Meldungen über Schweinereien in den
Ställen von Bio-Bauern nicht kaputtkriegen. "Bio" ist längst ein
Markenzeichen, das uns vieles zu versprechen scheint: Einklang mit
der Natur, Gesundheit, ja Reinheit. Dabei muss "bio" nicht einmal
"öko" sein: Wenn der Bauer auf Kunstdünger verzichtet, kann er seine
Felder immer noch mit Gülle tränken oder Mist im Übermaß
unterpflügen, nur um die Ernte-Ergebnisse nach oben zu treiben. Und
biologisch erzeugte Lebensmittel, die eine halbe Weltreise hinter
sich haben, sind manchmal sogar umweltschädlicher als Tomaten aus den
gasbeheizten Gewächshäusern in Holland oder die gespritzte Erdbeeren
vom Bauern nebenan. So wird selbst ein so schlichter Vorgang wie das
täglich Brot in der globalisierten Gesellschaft zu einer
hochkomplexen Angelegenheit. Aber niemand von uns kann sich von früh
bis spät damit beschäftigen, wer unsere Lebensmittel produziert und
transportiert hat und auf welche Weise. Wir sind angewiesen auf die
Angaben der Hersteller und auf Einordnungen wie "bio" durch möglichst
einheitliche Siegel - und wir sind darauf angewiesen, dass diese
Angaben streng kontrolliert werden von Aufsichtsbehörden, die dafür
ausgestattet sind. Es kann nicht jeder beim Bauern nebenan einkaufen,
selbst das ist ja reine Vertrauenssache. Es kann auch nicht jeder
"bio" kaufen, denn diese Lebensmittel sind immer teurer als die
konventionell produzierten. "Bio"-Gemüse ist nicht partout gesünder,
"Bio"-Fleisch schmeckt auch nicht unbedingt besser als das
industriell produzierte. Aber die Wahrscheinlichkeit ist größer: Dass
die Tiere ein Leben hatten, das mehr als ein Elend war. Dass die
Möhren und Paprika zumindest kein Pestizid enthalten. Am Ende bezahlt
man mit "bio" vor allem für die größere Chance, die Natur, also das
Leben der Erde durch den Anbau der Lebensmittel so wenig wie möglich
zu schädigen. Ob es das wert ist, muss jeder selbst entscheiden.
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Datum: 04.09.2012 - 19:17 Uhr
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