Gazprom, raus aus der Arktis! / Greenpeace-Aktivisten protestieren vor Gazprom-Zentralen in Berlin und Moskau
ID: 714259
Moskau protestieren heute Aktivisten der unabhängigen
Umweltschutzorganisation Greenpeace. Bei der Protestaktion in Berlin
steht auf einem Banner: "Rettet die Arktis! Stoppt Gazprom!". Aus
einem rund drei Meter hohen Modell eines Ölbohrturms sprudelt dort
eine schwarze Flüssigkeit und läuft über darunterliegendes Eis. Der
Grund für die Aktionen: Der russische Energiekonzern will in bisher
unberührten Gebieten der Arktis Öl fördern. Die Umweltschützer
sammeln zudem Unterschriften von Passanten, die als Arktisschützer
die Kampagne unterstützen wollen. Online können Menschen der Arktis
unter http://www.savethearctic.org helfen. Weltweit haben seit Juni
dieses Jahres mehr als eineinhalb Millionen Menschen für den Schutz
der Arktis unterschrieben. "Gazprom gefährdet mit seinen Ölplänen das
sensible Ökosystem der Arktis. Eine der letzten unberührten Regionen
dieser Erde muss vor der Ölindustrie geschützt werden", sagt Jörg
Feddern, Ölexperte von Greenpeace.
Notfallplan für Ölunfall nicht ausreichend
Der russische Konzern Gazprom will auf seiner Ölplattform
'Prirazlomnaya' in der Petschora See im kommenden Jahr mit der
Förderung beginnen. In den vergangenen Tagen wurden die letzten
Vorbereitungen beinahe abgeschlossen. Arbeiten der Ölindustrie
gehören zu den riskantesten Unternehmungen in der Arktis. Die Gazprom
Bohrstelle in der Petschora See ist während neun Monaten pro Jahr mit
Eis bedeckt, die Temperaturen können bis auf minus 50 Grad Celsius
absinken. Dazu kommen heftige Stürme und lange Dunkelperioden während
der Wintermonate. Auf diese Herausforderungen reagiert Gazprom mit
einem Notfallplan, der für eventuelle Ölunfälle völlig unzureichend
ist. So lagert beispielsweise Material für die Ölbekämpfung im
tausend Kilometer entfernten Murmansk. "Die Frage ist nicht ob,
sondern wann es zu einem Ölunfall in der Arktis kommen wird", sagt
Jörg Feddern. "Mit jeder Bohrung steigt das Risiko eines Unfalls."
Die Aktionen vor den Konzernzentralen in Berlin und Moskau sind
ein weiterer Schritt bei den Protesten gegen Gazprom. Bereits Ende
August hatten mehrere Greenpeace-Aktivsten, darunter auch der
Geschäftsführer von Greenpeace International, Kumi Naidoo, an der
Ölplattform in der Petschora See protestiert. Gazprom und Shell sind
die ersten großen internationalen Ölkonzerne, die die Ausbeutung der
Arktis in ihren Fokus stellen. Wenn bei den Bohrungen in diesem
Sommer von Shell vor Alaska und Gazprom in der Petschora See Öl
gefunden wird, werden andere Öl-Konzerne mit Milliardeninvestitionen
nachziehen und ebenfalls in die Region gehen. Experten vermuten etwa
90 Milliarden Barrel (ein Barrel= 159 Liter) Öl in der Arktis, das
Meiste davon unter dem Meeresboden. Diese Menge würde reichen, um den
derzeitigen Weltverbrauch für etwa drei Jahre zu decken.
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Datum: 05.09.2012 - 09:55 Uhr
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