BERLINER MORGENPOST: Endlich an einem Strang ziehen
Viktoria Solmsüber einen neuen Finanzvorstand am BER und den Streit der Gesellschafter
ID: 723149
Finanzvorstand. Die Entscheidung ist richtig und längst überfällig.
Es war von Anfang an ein Kardinalfehler, den neuen
Hauptstadtflughafen ohne einen ausgewiesenen Finanzexperten bauen zu
wollen. Mit nur zwei Geschäftsführern war das Projekt zum Scheitern
verurteilt. Nach drei Verschiebungen und voraussichtlich 1,2
Milliarden Euro Zusatzkosten haben das zuerst der Bund, dann auch die
Gesellschafter Berlin und Brandenburg erkannt. Hier liegt auch die
Verantwortung der Politiker, die den Flughafenbau als Gesellschafter
und Mitglieder des Aufsichtsrats begleiten. Berlins Regierender
Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident
Matthias Platzeck waren offenbar erst von der Notwendigkeit eines
Finanzvorstands zu überzeugen, als der Bund damit drohte, sich nicht
gebührend an den Mehrkosten für den Bau zu beteiligen.
Vor dem entscheidenden Schritt schrecken die Gesellschafter aber
immer noch zurück: Flughafen-chef Rainer Schwarz darf weitermachen,
wenn auch mit weniger Befugnissen ausgestattet. Glauben schenkt ihm
keiner mehr. Dass er an der Spitze des BER bleiben darf, lässt sich
mit seiner Leistung ganz gewiss nicht erklären. Anstatt ihn mit einem
klaren Schnitt auszutauschen, wird er schrittweise entmachtet.
Erst wurde ihm mit Horst Amann ein neuer technischer
Geschäftsführer an die Seite gestellt. Seinem Wort vertrauen
Politiker, Mitarbeiter und Bürger jetzt schon mehr als Rainer
Schwarz. Nun wird mit dem Finanzvorstand das Management um einen neu
geschaffenen Posten erweitert. Rainer Schwarz soll sich dann
vorwiegend um den Flugbetrieb in Tegel und Schönefeld kümmern. Dann
nimmt ihn endgültig keiner mehr ernst als Sprecher der
Geschäftsführung.
Die Anteilseigner sind ganz offensichtlich zutiefst uneins über
das weitere Vorgehen am BER. Das wird besonders deutlich in ihrer
Personalpolitik. Hier spielt jeder der drei Gesellschafter ein
doppeltes Spiel. Das sieht man auch an der Personalie Schwarz. Er
dient nur noch als Schmutzfänger für Politiker im Aufsichtsrat, die
sich hinter ihm verstecken wollen. Dass ihn der Bund am liebsten
sofort los werden will, ist ein offenes Geheimnis. In Berlin und
Brandenburg ist man dagegen froh, eigene Verfehlungen zumindest
teilweise Rainer Schwarz anlasten zu können. Ihnen allen muss man
vorwerfen, die unzureichenden Managementstrukturen am BER viel zu
lange mitgetragen zu haben.
Die Suche nach einem Finanzexperten wird nicht leicht sein. Man
wird ihn mit einem üppigen Gehalt locken müssen, damit er sich diese
Aufgabe antut. An der Stelle dürfen die Gesellschafter allerdings
nicht sparen. Denn einen erneuten Fehlgriff können sie sich nicht
leisten.
Für den Moment kann man mit der jüngsten Entscheidung für einen
neuen Finanzvorstand zufrieden sein. Doch das allein wird nicht
reichen, um den BER zu einer Erfolgsgeschichte zu machen. Dafür
müssen die Gesellschafter endlich an einem Strang ziehen.
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Datum: 17.09.2012 - 20:41 Uhr
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