Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Neue Regeln für Kirchenaustritte
Formaler Akt
BERNHARD HÄNEL
ID: 726253
Kirche austritt, tritt aus der Kirche aus. So einfach ist es aber
nicht. Strenggenommen ist das in der Taufe gegebene gegenseitige
Versprechen unauflöslich. Ausgetretene bleiben also Christen, so sie
es denn wollen. Katholiken aber können sie nicht mehr sein, so die
katholische Kirche. In Wahrheit aber sind die Dinge noch schwieriger
und nicht nur für Atheisten schwerlich nachvollziehbar. Mit der
Entscheidung, bei einem Austritt nicht mehr automatisch mit der
Exkommunikation zu reagieren, sind die deutschen Bischöfe der
Sichtweise des Vatikans entgegengekommen. Bereits vor sechs Jahren
hatte Rom bestimmt, dass ein bloß formaler Kirchenaustritt noch
keinen Abfall vom Glauben darstelle, der mit Exkommunikation bestraft
werden müsse. Die Zustimmung des Vatikans ist also eine Umkehr. Rom,
so steht zu vermuten, nimmt Rücksicht auf die katholische Amtskirche
in Deutschland, die eine Mitgliedschaft vom Zahlen der Kirchensteuer
abhängig macht. Es geht schlichtweg um schnöden Mammon. Auf die
Gemeindepfarrer rollt jetzt eine Welle an Arbeit zu, die sie
überfordern dürfte. Angesichts von rund 100.000 Kirchenaustritten ist
das angeordnete Gespräch mit Ausgetretenen ein formaler Akt zur
Gewissensberuhigung.
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Datum: 20.09.2012 - 19:30 Uhr
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