OLG Frankfurt bestätigt Zuständigkeit der deutschen Gerichtsbarkeit fürärztliche Kunstfehler einer Zahnarztpraxis in Ungarn bei einem deutschen Patienten
ID: 736971
5 Ratschläge zur Verfolgung von Schadenersatzansprüchen gegen ungarische Kliniken aufgrund vonärztlichen Kunstfehlern aufgrund jüngerer Rechtsprechung deutscher Gerichte
RA Dr. Donat Ebert(firmenpresse) - In einem bisher nicht veröffentlichten Urteil hat das OLG Frankfurt Ende September 2012 entschieden, dass ein deutscher Patient, der sich in einer ungarischen Zahnarztklinik hat behandeln lassen, gegen die Zahnarztklinik in Deutschland auf Schadenersatz klagen kann.
Was tun, bei einem ärztlichen Kunstfehler durch eine Klinik in Ungarn gegenüber einem deutschen Patienten?
1.Schnellen Kontakt mit einem ungarischen Rechtsanwalt aufnehmen, der so gut deutsch spricht, dass er den Mandanten versteht und der ihn.
2.Schnelle Mahnung der Klinik durch den Rechtsanwalt und Aufforderung zur Stellungnahme und zum Schadenersatz.
3.Unterbrechung der Verjährung durch ein rechtsanwaltliches Schreiben an die Klinik (Klageerhebung hierfür nicht erforderlich und u.U. schädlich wg. Zuständigkeit)
4.Suche eines außergerichtlichen Vergleichs unter Androhung der Klageerhebung in Deutschland unter Verweis auf die Rechtsprechung in Deutschland.
5.Bei Erfolglosigkeit Suche eines kompetenten, nach Möglichkeit spezialisierten Rechtsanwalts in Deutschland, der zur Zusammenarbeit mit dem ungarischen Kollegen bereit ist (die Anwendbarkeit welchen Rechts bleibt genau zu prüfen).
In Ungarn gibt es immer mehr Kliniken, die gezielt deutsche und deutschsprachige Patienten anwerben wollen, die sich in diesen Kliniken zu günstigeren Preisen als in Deutschland behandeln lassen können. Hierbei wird so ziemlich alles angeboten, was in Deutschland und Österreich, aber auch der Schweiz als teuer gilt: Schönheitsoperationen, Fettabsaugen, Zahnbehandlungen, Augenoperationen etc. Da die ungarische Ärzteschaft keinen schlechten Ruf hat, lassen sich viele Ausländer hierauf ein und hoffen, so gegenüber einer Behandlung zu Hause viel Geld sparen zu können.
Naturgemäß gibt es hierzu keine Zahlen, wie viele dieser Eingriffe zur Zufriedenheit der Patienten ablaufen und bei welchem Anteil die Fälle liegen, die weniger reibungslos ablaufen. Die Anzahl der schiefgelaufenen Eingriffe in Ungarn könnte wesentlich höher sein als man zunächst meinen sollte.
Wenn aber der Patient einen Kunstfehler vermutet, so wird er sich fragen, ob, wie und wo er gegen die Praxis vorgehen kann, denn ein Verfahren in Ungarn erscheint für ihn sehr schwierig, vor allem aufgrund der Sprachschwierigkeiten, der zu erstellenden Gutachten, die ein erneutes Anreisen erforderlich machen, der vielen vorzunehmenden Übersetzungen usw.
In dem der Entscheidung des OLG zugrundeliegenden Fall hatte unser Büro zunächst versucht, die Klinik, deren Arzt den zu beanstandenden Eingriff vorgenommen hatte, außergerichtlich zu einer Zahlung zu veranlassen. Die Reaktion der Klinik war abschlägig, daneben überaus arrogant und selbstsicher: Man solle sie in Ruhe lassen, hier wäre alles prima gelaufen, der Patient versuche nunmehr nur unberechtigt noch an Geld zu kommen.
Um dem Patienten die Mühen einer Prozessführung in Ungarn zu ersparen gab unser Büro die Sache an einen kompetenten Kollegen in der Nähe des Wohnortes des Patienten ab und ergriff die erforderlichen Maßnahmen, um die Verjährung - die in Ungarn wesentlich anders geregelt ist als in Deutschland - zu verhindern und den Prozess in Deutschland zu unterstützen. Die Vertreter der Klinik trugen vor, es bestehe keine Zuständigkeit in Deutschland.
Hier hat das OLG Frankfurt nunmehr entschieden, dass in Deutschland sehr wohl geklagt werden könne. Unter Berufung auf die einschlägige Rechtsprechung des EuGH in Luxemburg sei nämlich der sogenannte Verbrauchergerichtsstand nach der Brüssel I Verordnung gegeben, da die Klinik auf Deutsch ihren Internetauftritt betreibe, auf ihre internationale Kundschaft verweise, Anfahrtswege von Österreich aus beschrieben seien und die Telefonerreichbarkeiten mit internationalen Vorwahlen angegeben seien.
Nach diesem Urteil wird der geschädigte Patient es einfacher haben, seine Ansprüche zu Hause durchzusetzen und zu seinem Schadenersatz zu kommen. Die ungarischen Kliniken können sich hingegen nicht mehr darauf verlassen, dass die unzufriedenen Patienten an den hohen Hürden einer Rechtsverfolgung in einem fremden Land scheitern.
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Die Rechtsanwaltskanzlei von Dr. Donat Ebert befindet sich in Budapest und ist spezialisiert auf die Vertretung von Mandanten in grenzüberschreitenden Fällen, insbesondere im Bereich des Erb-, Straf- und Europarechts. Dr. Donat Ebert ist zugelassen sowohl in Deutschland als auch in Ungarn und vertritt seine Klienten vor den Gerichten ohne regionale Beschränkung in beiden Ländern
Rechtsanwaltskanzlei Dr. Donat Ebert
Donat Ebert
Corvin tér 6
1011 Budapest
donat.ebert(at)ebert.hu
00-36-1-787 89 95
http://www.rechtsanwalt-ungarn.de
Datum: 08.10.2012 - 10:16 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 736971
Anzahl Zeichen: 4469
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Dr. Donat Ebert
Stadt:
Budapest
Telefon: 00-36-1-787 89 95
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Meldungsart:
Anmerkungen:
Diese Pressemitteilung wurde bisher 1181 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"OLG Frankfurt bestätigt Zuständigkeit der deutschen Gerichtsbarkeit fürärztliche Kunstfehler einer Zahnarztpraxis in Ungarn bei einem deutschen Patienten"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Rechtsanwaltskanzlei Dr. Donat Ebert (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Unser Büro hat immer wieder mit der Konstellation zu tun, dass Erbschaftsfälle grenzüberschreitenden Bezug haben und die gesetzlichen Erben sich im Ausland befinden und unauffindbar sind. So passiert es nicht selten etwa, dass ursprünglich ungarische Staatsbürger, die beispielsweise 1956 aus Un
Deutsche Amtsrichter bei der Anwendung ausländischen Erbrechts offenbarüberfordert - die Verfahren vor den Nachlassgerichten dauern unangemessen lange ...
Eine nahezu alltägliche Erfahrung unseres Büros liegt in der Anwendung europäischen und ausländischen Rechts durch deutsche Richter. Leider sind diese Erfahrungen überwiegend negativ, sehr zum Leidwesen der betroffenen Mandanten. Beantragen Sie an einem deutschen Nachlassgericht, also Amtsgeri
Ungarische Rechtsanwaltskammer erhielt Stellungnahme des Justizministeriums zum neuen Text des Rechtsanwaltseides - leider ohne jede Substanz ...
Wir hatten bereits früher darüber berichtet, dass die Regierung von Ministerpräsident Orbán den Wortlaut des von frisch geweihten Rechtsanwälten zu leistenden Eides substanziell geändert hat. Gestrichen wurde die Verpflichtung zur lebenslangen Verschwiegenheit, stattdessen wurde aufgenommen di
Weitere Mitteilungen von Rechtsanwaltskanzlei Dr. Donat Ebert
Gerechtigkeit für"Schrottimmobilien-Geschädigte" ...
Ein neues Urteil des Bundesfinanzhof bringt Erleichterung für eine Vielzahl von Erwerbern sogenannter Steuerspar-Immobilien, die auch als ''Schrottimmobilie'' bezeichnet werden. Mit der Entscheidung des Bundesfinanzhofs vom 20.06.2012 (AZ. IX R 67/10) wurde die lang diskutier
Südwest Immofond 2051: Anleger müssen nicht weiter zahlen ...
Mit Urteil vom 14.09.2012 hat das Amtsgericht Gelnhausen eine Klage der "SW IMMOFonds 2051 GmbH & Co. KG" gegen eine von Röhlke Rechtsanwälte vertretene Mandantschaft abgewiesen. Die Fondgesellschaft hatte rückständige Rateneinlagen der Jahre 2009 - 2012 verlangt. Nach Ansicht des
Rheinische Post: NRW-Finanzminister nennt Verhalten Bayerns schäbig ...
Mit scharfer Kritik hat NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans auf das Vorhaben der bayerischen Landesregierung reagiert, gegen den Finanzausgleich vor dem Bundesverfassungsgericht zu klagen. Bayern habe lange Zeit von dieser Regelung enorm profitiert. "Jetzt aussteigen zu wollen, ist n
Rheinische Post: Maaßen warnt vor neuer Salafisten-Offensive aus dem Nahen Osten ...
Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hat vor einer neuen Salafisten-Offensive gegen Deutschland gewarnt. Das Verbot der salafistischen Organisation Millatu Ibrahim im Juni sei zwar "zwingend" gewesen. "Doch wir müssen erkennen, das eine der Schlüsselfiguren aus Deutsch




