Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Synode der Evangelischen Kirche von Westfalen
ID: 765036
von Kirchenkreisen in der Evangelischen Kirche von Westfalen sind
vorbei. Vorbei sind auch Massenaustritte, das vielfach bemängelte
Ausbleiben von Gottesdienstbesuchern sowie die Diskussion über eine
finanzielle Notlage, da das Kirchensteueraufkommen schmilzt. Und auch
die Kritik, ob sich Kirche wirklich zu jeder politischen Nachricht
äußern, sprich ihren Senf überall und immer dazuzutun muss, ist
verstummt. Warum? Weil die schmerzhaften Reformprozesse vorbei sind
und weil die westfälische Landeskirche erkannt hat, dass jede Krise
eine Chance zum Neubeginn beinhaltet. Jetzt so scheint es, kann sich
Kirche in erster Linie mit den Dingen befassen, die ihre Kernpunkte
sind. Die Verkündigung von Gottes Wort, die Bewahrung der Schöpfung
und das Eintreten für die Schwachen, Armen und Benachteiligten sowie
der Ruf nach dem Frieden in der Welt. Das ist doch klar, werden
viele sagen. Sicher ist das klar. Doch sollte sich jedermann selbst
fragen, wie er konkret die Not vor seiner Haustür aufdeckt und was er
dagegen unternimmt. Hier ist das persönliche Engagement gefragt und
nicht der Ruf nach Kirche und Staat. Die kirchlichen Aktivitäten, sei
es nur der Gottesdienst, die Frauenhilfe, die evangelische Jugend
oder der Posaunenchor sind ein Angebot ebenso wie Gottes Wort. Kirche
will und darf niemandem Gottes Wort überstülpen. Zudem kostet der
Gottesdienst keinen Eintritt - jedermann ist also herzlich zum
Schnuppern willkommen. Als Hauptvorlage wurde der am Freitag zu Ende
gegangenen Landessynode der Evangelische Kirche von Westfalen das
Impulspapier unter dem bedächtigen Titel »Familien heute«
präsentiert. Doch die Vorlage beinhaltet durchaus Brisantes. Hier
wird deutlich gemacht, dass sich die Familie nicht auf Vater, Mutter,
Kind reduzieren lässt. In der jetzt einsetzenden Debatte über die
Impulse zu Fragen der Familie sollte aber eines klar sein: Niemand
denkt daran, die Familie Vater, Mutter, Kind in Frage zu stellen.
Hier geht es um das Familiäre, das vertraute Miteinander in anderen
Formen des Zusammenlebens. Auf der anderen Seite ist die Erkenntnis,
dass sich die bürgerliche Ehe und Familie nicht so einfach aus der
Bibel ableiten lassen, nicht neu. Übrigens: Das Impulspapier wurde
gemeinsam von der westfälischen und der lippischen Landeskirche
vorgelegt. Auf NRW bezogen lässt sich hier durchaus von einem
Familienverband der drei Landeskirchen, Rheinland, Westfalen und
Lippe sprechen. Um das Nesthäkchen Lippe, als weitaus kleinste
Landeskirche, kümmern sich seit langem schon liebevoll die beiden
Großen. Und somit wäre es nicht verwunderlich, wenn Lippe bald eine
feste Bindung mit Westfalen eingeht. Schließlich gibt es auch bei
Kirchens selbst unterschiedliche Familienbande.
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Andreas Kolesch
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Datum: 16.11.2012 - 20:00 Uhr
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