Gewalt gegen Rettungs- und Pflegekräfte / Prävention kann Risiko eines Übergriffs verringern
ID: 786861
Rettungs- und Pflegekräften ist seit Jahren konstant hoch. Das geht
aus einer statistischen Auswertung der Berufsgenossenschaften und
Unfallkassen hervor. Allein im Jahr 2011 gab es 602 meldepflichtige
Arbeitsunfälle durch "Gewalt, Angriff oder Bedrohung durch
betriebsfremde Personen".
Gewalt am Arbeitsplatz tritt vorwiegend in Form von Bedrohungen,
Belästigungen und Beleidigungen auf, aber auch tätliche Angriffe auf
Beschäftigte kommen vor. Betroffen sind vor allem Berufe mit direktem
Kundenkontakt wie Verkäufer, Krankenpfleger, Schaffner, Bus- oder
Taxifahrer, aber auch Sicherheits- und Wachleute: Das Risiko einem
gewaltsamen Übergriff ausgesetzt zu sein, ist in diesen Berufen
besonders hoch.
Die Folgen von gewalttätigen Übergriffen seien nicht zu
unterschätzen, sagte Prof. Dr. Dirk Windemuth vom Institut für Arbeit
und Gesundheit der DGUV (IAG): "Neben körperlichen Verletzungen
leiden Betroffene häufig an massiven psychischen Beeinträchtigungen
und verlieren ihr Vertrauen in die soziale Umwelt. Darüber hinaus
führen die krankheitsbedingten Fehlzeiten zu erheblichen betriebs-
und volkswirtschaftlichen Einbußen."
Um die Wahrscheinlichkeit eines gewaltsamen Übergriffs zu
verringern, kommen verschiedene Arbeitsschutzmaßnahmen in Betracht.
Im Arbeitsumfeld helfen bauliche Maßnahmen, zum Beispiel Schutzwände,
Sicherheitsglas oder Notausgänge. Es sollte gut erreichbare
Fluchtwege geben, hilfreich kann es auch sein, die unmittelbare
Zugänglichkeit zum Arbeitsplatz einzuschränken. Durch
Zugangskontrollen kann vermieden werden, dass Waffen oder andere
gefährliche Gegenstände mitgeführt werden. Notrufsysteme wie ein
sogenannter "Panikknopf" sollen einerseits den Sicherheitsdienst oder
die Polizei alarmieren, andererseits helfen sie anderen Mitarbeitern,
die Gefahr zu erkennen, Hilfe zu holen und sich in Sicherheit zu
begeben.
Für Rettungskräfte wie Notärzte oder die freiwillige Feuerwehr
sind solche Maßnahmen natürlich im Einsatz keine Lösung. Allerdings
könnten schon einfache Maßnahmen in der Arbeitsorganisation die
tägliche Arbeit sicherer machen, so Windemuth: "Das Personal sollte
umfassend informiert und qualifiziert sein, um in Krisensituationen
richtig zu reagieren. So sollten potenziell gefährdete Arbeitnehmer
regelmäßig in Sicherheitsfragen beraten werden und in
Deeskalationsseminaren die Bewältigung schwieriger und bedrohlicher
Situationen mit Kunden üben." Ähnliches gilt für die Pflege, wie
Andreas Boldt von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und
Wohlfahrtspflege (BGW) erklärt: "Gewalt und Aggression in
Pflegekontexten entwickelt sich in der Regel aus der Interaktion von
Pflegekraft und Betreuten. Wichtig ist deshalb eine regelmäßige
innerbetriebliche Auseinandersetzung mit ihren Erscheinungsformen und
Ursachen sowie mit möglichen Präventions- und Notfallmaßnahmen."
Weitere Informationen
- Thema "Gewalt und Mobbing in der Arbeitswelt":
http://www.dguv.de/inhalt/praevention/themen_a_z/gewalt/index.jsp
- Thema Gewalt und Aggression in Pflege- und Betreuungsberufen:
www.bgw-online.de, Suchstichwort: Gewalt
Pressekontakt:
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)
Pressestelle
Stefan Boltz
Tel.: 030 288763768
Fax: 030 288763771
E-Mail: presse@dguv.de
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Datum: 20.12.2012 - 10:02 Uhr
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