Neue OZ: Kommentar zu Russland / Ballett / Kriminalität
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Zickenkrieg in der Ballett-Compagnie? Weit untertrieben. Hinter
der pompösen Fassade des Bolschoi tobt offenbar ein Machtkampf wie
unter verfeindeten Mafia-Clans. Und der wird mit Methoden
ausgetragen, die sich mit grazilem Spitzentanz kaum zu vertragen
scheinen. In der Welt des schönsten Scheins geschehen ekelhaft
hässliche Dinge. Wie furchtbar, und wie nachvollziehbar. Denn das
Bolschoi funktioniert nach den Gesetzen von Kaste, Kaderschmiede und
Kaserne. Wer sich in Moskaus Theatertempel etablieren will, muss
extrem leistungsbereit und durchsetzungsfähig zugleich sein. Das
geschlossene Elitesystem erzeugt einen Binnendruck, der sich jetzt in
extremer Weise entladen hat. Wie der Alltag zermürbender
Konkurrenzkämpfe aussieht, kann man sich auf dem Hintergrund des
Anschlags bestens plastischvorstellen.
Der Säureanschlag trifft doppelt, weil er der Gesundheit und dem
Nimbus des Ballettchefs in gleicher Weise gilt. Filin wird wohl
entstellt bleiben, in der Welt glatter Schwanensee-Eleganz ein
vernichtender Makel. Er hat offenbar nicht nur Karrieristen gekränkt,
sondern auch Interessen mächtiger Männer geschadet. Das Bolschoi im
Fadenkreuz des Verbrechens? Was für eine Vorstellung.
Stefan Lüddemann
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Neue Osnabrücker Zeitung
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Datum: 20.01.2013 - 22:00 Uhr
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