NABU: Bundesregierung darf Verbrauchsvorgaben für Pkw nicht verwässern
ID: 805565
Bundesregierung noch in dieser Woche ihre Position zu den ab 2020
geltenden Pkw-Verbrauchsvorgaben festlegen. Irland, das derzeit den
EU-Ratsvorsitz innehat, erwartet, dass Deutschland am kommenden
Montag in Brüssel eine Position zur Novellierung der Richtlinie
443/2009, allgemein bekannt als Pkw-Verbrauchsvorgabe, vorlegen wird.
NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: "Es ist zu befürchten,
dass die Bundesregierung der Position des Verbandes der
Automobilindustrie (VDA) folgen wird, die u.a. auf die Einführung
sogenannter "Supercredits" drängt. Damit würde einer weiteren
Abschwächung des Klimagasgesetzes Vorschub geleistet." "Supercredits"
meinen eine Mehrfachanrechnung besonders emissionsarmer Modelle wie
Elektroautos als "Null-Emissions-Autos" auf die Gesamtbilanz der
produzierten Neuwagen. "Ein Elektroauto könnte somit den hohen
Verbrauch gleich mehrerer Oberklasse- oder Geländewagen ausgleichen
und somit den Treibhausgasausstoß des Herstellers um ein Vielfaches
besser darstellen, als es der Realität entspricht", kritisiert
Miller.
Ambitionierte Verbrauchsvorgaben für Autos ersparen der
Volkswirtschaft Kraftstoffkosten in Milliardenhöhe, verringern die
Abhängigkeit von Erdölimporten und sind der wirksamste Beitrag des
Verkehrs zum Klimaschutz. Jedes Gramm weniger zählt. Deshalb darf
Deutschland als Europas Automobilland Nummer 1 nicht zur weiteren
Verwässerung des Kommissions-Vorschlags von 95 g CO2 je Kilometer als
Durchschnittswert neuer Autos im Jahre 2020 beitragen.
Mitte Januar präsentierte der zuständige Berichterstatter des
federführenden Umweltausschusses, Thomas Ulmer (CDU), seinen
Berichtsentwurf, der an mehreren Stellen hinter die Vorstellungen der
Kommission zurückfällt und deutlich die Handschrift und Strategie des
VDA erkennen lässt: Darin wird das Kommissionsziel von 95g/km
CO2-Ausstoß für 2020 offiziell zwar nicht in Frage gestellt,
allerdings sollen durch diverse Verrechnungs- und
Gutschriftmechanismen andere Schlupflöcher in die Novellierung der
Richtlinie einfließen. "Ein Wert von 95g/km ist keinesfalls zu
ambitioniert, denn er ist bereits heute mit den verfügbaren
technischen Mitteln und ohne Elektroautos umsetzbar. Investitionen in
Effizienztechnik zahlen sich für den Käufer nach wenigen Jahren aus
und für das Klima bereits vom ersten Tag an, ab dem das neue Auto im
Einsatz ist", so Miller weiter.
Nach einer aktuellen Studie des International Council for Clean
Transportation (ICCT) belaufen sich die zusätzlichen
Herstellungskosten pro Neuwagen für die CO2-Minderung von 130g/km auf
95g/km auf nur 1000 Euro und nicht auf 2500 Euro wie von der
Automobilindustrie geschätzt. Unter Berücksichtigung heutiger
Kraftstoffpreise und Fahrleistungen sind bei Erreichen des Zielwerts
von 95 g/km jährliche Kraftstoffeinsparungen in Höhe von etwa 350 bis
450 Euro pro Fahrzeug zu erwarten. Nach zwei bis drei Jahren machen
der durchschnittliche Autofahrer und damit die deutsche
Volkswirtschaft jährlich rund 400 Euro Gewinn.
NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger: "Zusammen mit weiteren
Aushebelungsmechanismen könnten durch 'Supercredits' anstatt der
angeblich eingehaltenen 95g/km in Wirklichkeit bis zu 108g/km
CO2-Emissionen anfallen. Das ist nichts anderes als Greenwashing
mithilfe des Rechenschiebers und darf nicht von der Bundesregierung
gedeckt sein. Derartige Bilanzierungstricks mit in die
CO2-Regulierung für Neuwagen aufzunehmen, wäre ein fatales Signal für
einen Beitrag des Verkehrssektors an die europäischen
Klimaschutzbemühungen."
Pkw-Verbrauchsvorgaben und Biokraftstoffe
http://www.nabu.de/themen/verkehr/strassenverkehr/10060.html
ICCT-Studie zum CO2-Gremzwert 2020:
http://www.theicct.org/spotlight/eu-2020-vehicle-targets
Originaltext vom NABU
Pressekontakt:
Dietmar Oeliger, NABU-Verkehrsexperte, Tel. 030-284984-1613, mobil
0172-9201823Dietmar Oeliger, NABU-Verkehrsexperte, Tel.
030-284984-1613, mobil 0172-9201823
NABU-Pressestelle, Telefon: 0 30.28 49 84-1510, -1722, -1952
Telefax: 0 30.28 49 84-2500, E-Mail: Presse@NABU.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 30.01.2013 - 10:34 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 805565
Anzahl Zeichen: 4665
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Berlin/Brüssel
Kategorie:
Bundesregierung
Diese Pressemitteilung wurde bisher 221 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"NABU: Bundesregierung darf Verbrauchsvorgaben für Pkw nicht verwässern"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
NABU (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Berlin (voices) Jörg-Andreas Krüger, Präsident (NABU-Bundesverband) zum Themen-Impuls: „3 Wege, wie Unternehmen Nachhaltigkeit neu definieren". Pressekontakt: Jérôme Lombard Pressesprecher Jerome.Lombard@NABU.de Copyright: NABU / Die Verwendung dieses Videos für redaktionelle Zwe
Kuck mal, wer da an der Nessel knabbert - Der NABU will wissen, welche Raupen an Brennnesseln zu finden sind ...
Bei Brennnesseln denken die meisten Menschen an Unkraut und juckende Quaddeln auf der Haut. Die Pflanze hat ein schlechtes Image und wird darum aus vielen Gärten verbannt. "Das ist schade, denn die Brennnessel ist für viele Schmetterlingsraupen eine wichtige Futterpflanze", sagt NABU-Ins
Mehr als eine halbe Million Menschen stellen sich gegen den Abbau von Umweltgesetzen / NABU-Präsident Krüger: Wer Umweltstandards abbaut, ignoriert die Interessen der Bevölkerung ...
Mehr als eine halbe Million Menschen europaweit fordern: Hände weg von unserer Natur! Mit ihrer Unterstützung der Kampagne "Hands Off Nature" senden sie ein deutliches Signal an die EU-Politik: Naturschutz darf nicht dem politischen Druck einzelner Lobbyinteressen geopfert werden. "
Weitere Mitteilungen von NABU
Caren Lay: Privatkrieg zwischen Rösler und Altmaier verhindert Strompreissenkung ...
"Wirtschaftsminister Rösler und Umweltminister Altmaier verzetteln sich in einem Privatkrieg, statt sich endlich auf die sofortige Senkung der Stromsteuer zu verständigen", kommentiert Caren Lay, verbraucherpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, das ewige Hin und Her zwischen R
Einladung des Wirtschaftsrates der CDU zum Pressestatement Energie mit Dr. Angela Merkel sowie zur Pressekonferenz mit Bundesminister Peter Altmaier und Kurt Lauk am 01.02.2013 ...
Anlässlich der 11. Klausurtagung Energie- und Umweltpolitik des Wirtschaftsrates der CDU e.V. zum Thema "Innovationsmotor Energiewende: Nur mit starker Industrie und Marktwirtschaft" lädt der Wirtschaftsrat sehr herzlich ein zu einem gemeinsamen PRESSESTATEMENT der Bundeskanzlerin Dr
Das Erste, Dienstag, 29. Januar 2013, 5.30 - 9.00 Uhr Gäste im ARD-Morgenmagazin ...
7.05 Uhr, Philipp Rösler, FDP, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Thema: Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 8.05 Uhr, Karl Lauterbach, SPD, Thema: Männergesundheit Pressekontakt: WDR Presse und Information, Kristina Bausch, Tel. 0221-220-7121 Agentur Ulrike Boldt, T
Dorothèe Menzner: Altmaier bremst nicht die Strompreise, sondern die Energiewende ...
"Umweltminister Altmaier bremst mit seinem Vorstoß nicht die Strompreise, sondern höchstens die Energiewende. Die Produzenten der Erneuerbaren Energien werden in das nächste Investitionschaos geschickt, während die Pfründe der Großkonzerne der Energiewirtschaft praktisch unangetastet b




