Schwäbische Zeitung: Zetsches Erblast - Kommentar
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gestraft, die ihm Selbstzufriedenheit und Realitätsverlust vorwerfen.
Wenn ein Konzernchef öffentlich von "Verbesserungspotenzial" und
"Gegenmaßnahmen" spricht, so heißt das übersetzt: Es ist ernst, wir
müssen handeln! Die Lage Daimlers ist das Resultat folgenschwerer
Fehlentscheidungen. Nicht aber Zetsche ist der Abstieg des
schwäbischen Vorzeigeunternehmens anzulasten, sondern seinen
Vorgängern Edzard Reuter und Jürgen Schrempp. Reuter überdehnte den
Konzern mit dem Versuch, einen "integrierten Technologiekonzern" zu
schaffen. Der Autohersteller wurde zum Technik-Kramladen. Sein
Nachfolger Schrempp rief die Welt-AG aus. Das aberwitzige
Unterfangen, ein Bündnis mit Chrysler und Mitsubishi zu schließen,
lähmte den Konzern über Jahre. Am Ende stand "die größte
Kapitalvernichtung, die es jemals in Deutschland zu Friedenszeiten
gegeben hat", stellten Ökonomen treffend fest. Ausgelaugt und
beschäftigt mit sich selbst, entging Daimler der Aufstieg von BMW und
Audi.
BMW verkauft heute mehr Autos als Daimler, Audi arbeitet
profitabler. Die Fabriken der Konkurrenten sind moderner. Die Modelle
von Mercedes sind zu alt, die Fertigung ist zu teuer. Die einstmals
stärkste Automarke der Welt ist ein Schatten ihrer selbst und gilt
vielen als mittelmäßig. Lange Zeit redete sich Zetsche die Lage
schön. Jetzt aber zwingen ihn miserable Zahlen zum Handeln. Daimler
hat ein ambitioniertes Sparprogramm auf den Weg gebracht und einen
Vorstand für China eingesetzt. Der Vertrieb wird verbessert, die
Montage gestrafft. Bald kommen erneuerte Modelle auf den Markt. Damit
sind die Chancen gestiegen, dass der Koloss die Kehrtwende schafft.
Doch das wird Jahre dauern.
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Datum: 07.02.2013 - 21:10 Uhr
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