Neue OZ: Kommentar zu Papst-Rücktritt
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Gelegentlich war Benedikt XVI. als Papst für Überraschungen gut.
So lud er seinen Kritiker Hans Küng ein und verfasste ein
Lehrschreiben ausgerechnet über die Liebe. Die größte Überraschung
aber war gestern seine spektakuläre Ankündigung, vom Papstamt
zurückzutreten. Das ist ein historisch außergewöhnlicher Verzicht.
Wer sich die gewaltigen Aufgaben ansieht, die das katholische
Kirchenoberhaupt meistern muss, wird den Schritt verstehen: Gefordert
ist die Leitung einer multikulturellen Weltkirche in einer bewegten
Zeit, geprägt von Bischofsernennungen, Generalaudienzen und
anstrengenden Reisen. Das erfordert enorme körperliche und geistige
Kraft.
Nun besitzt der 85-jährige Papst die Größe zum Amtsverzicht,
anders als viele Männer, die auch im hohen Alter nicht aufhören
wollen. Das weltweite Lob und der Respekt für den Rücktritt kamen zu
Recht.
Benedikts Pontifikat ist nicht frei von Tragik.
Missbrauchsskandale in den Reihen der Kirche, Streit mit den
traditionalistischen Pius-Brüdern und der Verrat seines Kammerdieners
haben ihm zugesetzt.
Viele Deutsche tun sich schwer mit dem Papst aus ihrem Land. Zwar
ist er anerkannt als brillanter Theologe, doch kritisieren selbst
wohlwollende Katholiken seinen konservativen, oft schwer
vermittelbaren Kurs. Kein Wunder, dass sich nun viele Hoffnungen auf
Reformen auf den Nachfolger richten, verbunden mit dem Wunsch nach
frischem Wind im Vatikan.
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Datum: 11.02.2013 - 22:00 Uhr
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