Neue OZ: Kommentar zu Arbeitsmarkt / Gesellschaft
ID: 813199
Diese Forderung ist aus der Zeit gefallen: Eine 30-Stunden-Woche,
die Wissenschaftler, Politiker und Publizisten jetzt verlangen, haben
nicht einmal die Gewerkschaften der Metall- und Druckindustrie
gefordert, als sie in den 1980er-Jahren für kürzere Arbeitszeiten
kämpften. Ihr Ziel war die 35-Stunden-Woche. Und selbst die konnte
bis heute nicht flächendeckend durchgesetzt werden.
Stattdessen geht der Trend vielfach in die entgegengesetzte
Richtung. Immer mehr Arbeitnehmer kehren zur 40-Stunden-Woche zurück
oder stehen noch länger an der Werkbank. Das mag man bedauern, ist
aber ein Beitrag zur Stärkung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit.
Kürzere Arbeitszeiten würden dagegen die Lohnstückkosten in die Höhe
treiben und womöglich Jobs gefährden.
Problematisch erscheint auch die Vorstellung, man könne Arbeit
einfach umverteilen und so für Vollbeschäftigung sorgen. Zwar wollen
Millionen von Beschäftigten gerne länger arbeiten, während viele
andere Überstunden beklagen. Allerdings dürften unterschiedliche oder
fehlende Qualifikationen vielfach die angedachte Teilung der Arbeit
erschweren oder sogar unmöglich machen.
Statt solch krausen Theorien zu folgen, drängen viele
Gewerkschaften deshalb zu Recht auf die Sicherung von Jobs und auf
faire Löhne. Wer für mehr Beschäftigung sorgen will, sollte sich im
Übrigen auf bessere Bildung und verstärkte Qualifizierung
konzentrieren.
Uwe Westdörp
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Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion
Telefon: +49(0)541/310 207
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Datum: 11.02.2013 - 22:00 Uhr
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