Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT zu dem ZDF-Dreiteiler»Unsere Mütter, unsere Väter«
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der Bundesrepublik eine hochemotionale Zeit. Damals kehrten die
letzten Kriegsgefangenen aus Russland zurück, und die Menschen
empfanden das als symbolisches Ende des Zweiten Weltkriegs. Aber die
Erinnerungen an die schrecklichen Erlebnisse waren damit nicht
automatisch verschwunden. Ich erinnere mich an meinen ehemaligen
Friseur, der Hitlers Krieg im Osten ein verkrüppeltes Bein verdankte
und der, während er mir die Haare schnitt, immer wieder von der Hölle
in den Schützengräben erzählte, weil ihn die Erinnerungen nicht
losließen. Nun bringt der ZDF-Dreiteiler »Unsere Mütter, unsere
Väter« das von vielen aus der Kriegsgeneration mühsam Verdrängte
wieder zum Vorschein. Ist das sinnvoll? Wäre es nicht Zeit für einen
Schlussstrich mehr als 60 Jahre danach? Nein, der Film ist wichtig.
Nur noch wenige Zeitzeugen können der jüngeren Generation, die nur
den Frieden kennt, erzählen, wie es damals war. Und das ist wichtig
in einer Zeit der Geschichtsvergessenheit, in der nur gut 20 Jahre
nach dem Fall der Mauer immer mehr Schüler die DDR allen Ernstes für
einen Rechtsstaat halten. »Unsere Mütter, unsere Väter« sollte
Pflichtstoff in den Schulen werden. Sie sollten die DVD anschaffen
und zum Anlass nehmen, Zeitzeugen in die Klassen einzuladen. In den
Familien ist die Trilogie vielleicht die letzte Chance, das Schweigen
zu brechen, Gespräche zwischen Großvätern und Enkeln in Gang zu
bringen. Der ZDF-Film zeichnet ein authentisches Bild. Die
Wehrmachtssoldaten werden weder als Mörderbande verunglimpft, noch
als ritterliche Kämpfer reingewaschen. Unter ihnen gab es überzeugte
Rassisten und Sadisten, die die Zivilbevölkerung terrorisierten - und
das waren nicht nur Mitglieder der SS-Einsatzkommandos hinter der
Front. »Zweifellos ist zutreffend, dass die Wehrmacht an allen
Verbrechen - von der Erschießung von Zivilisten bis zur
systematischen Ermordung jüdischer Männer, Frauen und Kinder -
beteiligt war«, schreiben Sönke Neitzel und Harald Welzer in ihrem
Standardwerk »Soldaten«. Neitzel, Welzer und ihr Kollege Felix Römer
(»Kameraden«) werteten aufschlussreiche Gespräche aus, die Briten und
Amerikaner bei deutschen Soldaten mitgehört und protokolliert hatten
und die von der »Normalität des Brutalen« zeugen. Historiker und
Filmemacher verurteilen aber nicht pauschal. Sie machen deutlich,
dass Millionen Soldaten versuchten, anständig zu bleiben, und unter
den Umständen litten, die das so schwer machten. Sie fühlten sich wie
»menschliches Vieh in einer riesigen Schlachtbank«, wie Volker Bruch
als Leutnant Winter im Film sagt. Die Erkenntnis, für den Verbrecher
Hitler gekämpft zu haben, verstärkte das Trauma der Kriegsheimkehrer.
Dem ZDF gebührt das Verdienst, dass der Sender dem Leiden unserer
Väter und Mütter ein Denkmal setzt, ohne ihr Tun zu verharmlosen.
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Datum: 18.03.2013 - 20:15 Uhr
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