Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Zypern
ID: 838817
Dienstag geschlossen. Im Extremfall sperren sie ihre Türen nie wieder
auf. Darum geht es auf der kleinen Insel mit den großen Problemen.
Immerhin kann jeder Zyprer, der Geld braucht, am Automaten täglich
einge hundert Euro abheben - noch. Die Zukunft steht auf des Messers
Schneide. Der Zwergstaat, nicht einmal halb so groß wie
Ostwestfalen-Lippe, muss 5,8 Milliarden Euro zusammenkratzen.
Ansonsten rückt Europa seine bereitliegenden zehn Milliarden Euro
nicht raus. So einfach und so brutal ist die Realität, die die Zyprer
nicht wahr haben wollen. Die »Neue Zürcher Zeitung« kommentierte
gestern offenbar mit klammheimlicher Freude: »Schlaraffenland ist
abgebrannt«. Dabei sollten alle Beteiligten, auch der Finanzplatz
Schweiz, besser Öl auf die Wogen als ins Feuer gießen. Wie groß die
Verzweiflung auf Zypern ist, zeigt die Bereitschaft der orthodoxen
Kirche, alle Klöster zu verpfänden. Die Geste ist ehrenvoll, aber
bringt kaum Gewinn, geschweige denn eine Lösung. Denn es geht um
exorbitant mehr. Wladimir Putin hat Präsident Nikos Anastasiades
abblitzen lassen, der immerhin Lizenzen für die neuen Gasvorkommen
vor der Insel der Aphrodite bieten könnte. Die kalte Abfuhr liegt
daran, dass nach Angaben der Moskauer Wirtschaftspresse die ganz
großen Vermögen russischer und ukrainischer Oligarchen zwar via
Zypern verschoben wurden, aber längst in sichere Steueroasen
abgeflossen sind. Übrig bleiben die zwei größten Banken des Landes.
Die sind so pleite wie ihr Schuldner Griechenland. Sogar die
Geldeintreiber der Russen-Mafia gehen inzwischen leer aus. Nein, die
russische Karte ist nicht mehr Trumpf. Zyperns Regierung und
Parlament müssen einsehen, dass ihr eindeutiges Nein zur umstrittenen
Zwangsabgabe und damit zu den Brüsseler Milliarden hilflos und dumm
war. Sie wollten Zyperns Geschäftsmodell als Off-Shore-Finanzplatz
retten - dabei war dieser Status schon vor den jüngsten Turbulenzen
Geschichte. In dieser Einschätzung stimmen übrigens
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und SPD-Fraktionschef
Frank-Walter Steinmeier überein. Schon deshalb ist die nationale
Debatte über Leistungen und Versäumnisse der Bundesregierung
zweitrangig. Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet auf europäischer
Ebene extrem harte Gespräche. Dort könnte ein zweiter Anlauf starten,
um die Bank of Cyprus und die Laiki-Bank in eine geordnete Insolvenz
zu führen. Dann wären alle Einlagen unter 100 000 Euro vollständig
geschützt, weil europäisch abgesichert. Und alle Vermögen darüber
müssten herangezogen werden, und die Eigentümer der Banken würden
bluten - statt der kleinen Leute. Schon in der letzten Woche wollten
die europäischen Finanzminister diese Lösung. Da war Zyperns
Regierung noch dagegen. Inzwischen müssten Präsident und Parlament
klüger sein.
Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 20.03.2013 - 19:45 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 838817
Anzahl Zeichen: 3263
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 139 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Zypern"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Westfalen-Blatt (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Der international renommierte Jazz-Trompeter Till Brönner befürchtet, dass Politik und Gesellschaft nichts aus der Zeit der Corona-Pandemie gelernt haben. "Das Erste, was wir tun, wenn es eng wird, ist ausgerechnet unsere DNA, nämlich die Kultur- und die Veranstaltungsbranche und die, die un
34 Polizeischüsse: Autofahrer gelähmt, Ermittlungen eingestellt ...
Die 34 Schüsse, die Polizisten vor zwei Jahren in Bad Salzuflen auf einen Audi und seinen Fahrer (19) abgegeben hatten, bleiben ohne strafrechtliche Folgen - es wird keinen Prozess geben. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat nach WESTFALEN-BLATT-Informationen das Verfahren gegen die beiden Herforder
NRW: Polizei überwacht afghanischen Sexualtäter ...
Im Kreis Herford (NRW) wird ein afghanischer Sexualstraftäter in Absprache mit dem Landeskriminalamt "engmaschig" von der Polizei überwacht. Der 24-Jährige, der als rückfallgefährdet gilt, hatte nach einer Sexualtat eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verbüßt und war in
Weitere Mitteilungen von Westfalen-Blatt
Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Rentenerhöhung ...
Lange nicht mehr war Deutschland so radikal in Ost und West geteilt wie bei der diesjährigen Rentenerhöhung. Fast zweieinhalb Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer verkehrt sich das historische Bild ins Gegenteil: Echter Zuschlag im Osten, lange Gesichter im Westen. Das ist kein postsozialistisch
NRZ: Keine Waffen nach Syrien - ein Kommentar von JAN JESSEN ...
Deutschland nimmt 5000 Flüchtlinge aus Syrien auf. Das ist eine gute Nachricht, die nur deshalb einen bitteren Beigeschmack hat, weil es so lange gedauert hat, bis man sich zu dem Entschluss durchgerungen hat. Diese Menschen fliehen, weil ihr Land in Blut erstickt; weil Saudi-Arabien, Katar, Ru
Mitteldeutsche Zeitung: zu Zypern und Eurokrise ...
Eine Schuldenstreichung scheint nahezuliegen, bringt aber grundsätzliche Probleme: Die, die man belasten will, sind genau die, um deren Vertrauen man wirbt. Die, denen man das Geld nimmt, sind genau die, deren Geld man künftig braucht. Allein dieses Jahr müssen sich die Euro-Staaten 850 Milli
NRZ: Wir sollten uns schämen - ein Kommentar von LOTHAR PETZOLD ...
Unsere Gesellschaft sollte sich schämen. Da hat ein fleißiger Arbeitnehmer sein Leben lang geschuftet, hat brav in die Rentenversicherung eingezahlt und wird jetzt im Westen der Republik mit einer Rentenerhöhung von sage und schreibe 0,25 Prozent abgespeist. Das ist erbärmlich. Zumal wenn ma




