Tunesien: Präsident für Konsens zwischen Säkularismus und Islam
ID: 840369
Moncef Marzouki im Interview der Deutschen Welle
Die tunesische Regierung habe "beide Seiten zu vertreten". Marzouki, der nach der Revolution 2011 zum Übergangspräsidenten Tunesiens gewählt worden war, gehört der als gemäßigt links geltenden Partei "Kongress für die Republik" an.
Politische Gruppierungen behinderten den friedlichen Wandel Tunesiens. Marzouki: "Diese wollen nicht, dass der Prozess erfolgreich und friedlich umgesetzt wird. Sie wollen keine Wahlen und möchten Chaos provozieren." Der Politiker nannte "militarisierte Gruppen, Dschihadis, Teile der Salafisten". Auch auf der anderen Seite gebe es "säkulare Extremisten, die keinen friedlichen Wandel wollen. Aus ideologischen Gründen, weil sie den Islamismus verteufeln. Sie wollen nicht hören, dass Tunesien ein muslimisches Land ist."
Die Ermordung des säkularen Oppositionspolitikers Chokri Belaid habe ihn schockiert: "Wir waren in Tunesien sehr stolz auf unsere friedliche Revolution und den Übergang zur Demokratie. Ich hatte das Gefühl, betrogen worden zu sein, betrogen von Seiten der islamischen Extremisten, den Dschihadis." Der tunesische Präsident kritisierte erneut die Säkularen: "Manchmal fühle ich mich auch betrogen von den Extremisten der anderen Seite, die ein falsches Bild von Tunesien als ein Land voller Aufruhr verbreiten, das die Presse im Westen beeinflusst. Dieses Bild entspricht nicht der Realität."
Grundsätzlich sieht Marzouki sein Land auf einem guten Weg. "Wir haben einen Konsens bezüglich der neuen Verfassung erreicht, die wahrscheinlich in zwei Monaten stehen wird. Zwischen Oktober und Dezember wird es Wahlen geben. (...) In Portugal brauchte dieser Prozess mehr als acht Jahre, in Spanien mehr als drei. Tunesien wird seinen Wandel innerhalb von zwei Jahren vollzogen haben." Das sei beachtlich für ein Land "ohne Erfahrung mit demokratischen Prozessen".
Eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation erfordert Marzouki zufolge mehr Zeit: "Wir können keine Wunder vollbringen. Die Situation ist extrem angespannt, denn die Leute erwarten alles auf einmal. Sobald das Land stabiler ist, können wir mehr Investoren anziehen." Von Deutschland könne Tunesien etwas über die Bedeutung des Konsenses lernen: "Denn Deutschland versteht, was Konsens bedeutet, nicht nur politisch, sondern auch sozialpolitisch und ökonomisch gesehen, etwa mit Gewerkschaften."
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: PresseBox
Datum: 22.03.2013 - 13:42 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 840369
Anzahl Zeichen: 2844
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bonn
Kategorie:
Medien und Unterhaltung
Diese Pressemitteilung wurde bisher 236 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Tunesien: Präsident für Konsens zwischen Säkularismus und Islam"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Deutsche Welle (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Auch nach der Sperrung aller VPN-Verbindungen können Nutzer in China die "Große Firewall" umgehen. Möglich macht dies eine App der DW - und die kürzlich geschlossene Kooperation mit der Organisation "Greatfire". VPN-Tunnel galten in China bisher als letzte Möglichke
Ukraine: DW eröffnet Korrespondentenbüro in Kiew ...
Die Deutsche Welle hat am Montag, 26. Januar, ein Korrespondentenbüro in Kiew, Ukraine, eröffnet. Der deutsche Auslandssender verstärkt damit die Berichterstattung aus und über Mittel- und Osteuropa. "Das DW-Büro in Kiew wird eine zusätzliche Brücke zwischen Deutschland und der
Saudi-Arabien: Ehefrau von Raif Badawi appelliert an deutsche Politiker ...
Die Ehefrau des islam-kritischen Bloggers Raif Badawi, Ensaf Haidar, hat an deutsche Politiker appelliert, sich für die Freilassung ihres Mannes einzusetzen. Bei einer TV-Talksendung der Deutschen Welle in Berlin sagte Haidar am Dienstagabend: "Ich hoffe, dass die deutsche Politik mich nicht
Weitere Mitteilungen von Deutsche Welle
Personalentscheidungen in der APA-Geschäftsführung - BILD ...
In der Sitzung vom 22. März haben Vorstand und Aufsichtsrat der APA Weichenstellungen für die nächsten Jahre vorgenommen. Die Funktionsperiode von Peter Kropsch, seit 1. Jänner 2009 geschäftsführendes Vorstandsmitglied und Vorsitzender der Geschäftsführung der APA - Austria Presse Agentur, w
Das Erste / GÜNTHER JAUCH am 24. März 2013 um 21.45 Uhr im Ersten ...
Das Thema: Mutter, Vater, was habt Ihr im Krieg getan? Die Geschichten unserer Familien Schützengräben und Bombenangriffe, Verwundung und Tod, Flucht und Vertreibung: In manchen Familien herrscht bis heute Schweigen über das, was Großeltern und Eltern im Zweiten Weltkrieg erlebt und
Das Erste: "Bericht aus Berlin" am Sonntag, 24. März 2013, um 18.30 Uhr im Ersten ...
Geplante Themen: Zypern: Testfall für die Euroretter Es ist ein Wettlauf mit der Zeit: Nach der Ablehnung des Hilfspakets durch das zyprische Parlament hat die Europäische Zentralbank den Druck auf die Regierung in Nikosia erhöht. Bis Montag soll das Land einen Rettungsplan mit der Eurozone
Drei ZDF-Produktionen gewinnen EMIL 2013 für gutes Kinderfernsehen ...
Dreifache Auszeichnung für ZDF-Produktionen: Der Animationsfilm "Das Grüffelokind", das ZDF-Märchen "Die Schöne und das Biest" und die Dokumentation "Lilli - Opa hat Alzheimer" erhielten am Donnerstag, 21. März 2013, in Hamburg einen EMIL 2013 für gutes Kinder




