Allgemeine Zeitung Mainz: Flickwerk
Kommentar zum Stromexport
ID: 845473
doch mit jedem neuen Fakt wächst die Verunsicherung, sinkt die
Akzeptanz. Das jüngste Beispiel liefert das Statistische Bundesamt
mit seinen Daten zum Stromexport. Man muss sich das auf der Zunge
zergehen lassen:Nach den vielen Schlagzeilen über einen drohenden
Blackout im Winter lesen wir nun, dass aus erneuerbaren Energien an
manchen Tagen so viel Strom kommt, dass die Erzeuger noch Geld auf
den Tisch legen müssen, um ihn überhaupt loszuwerden. Und am Ende
kommt das alles die Verbraucher nicht, wie man eigentlich gehofft
hatte, billiger, sondern noch wesentlich teurer. Denn je weiter der
Strompreis durch die Erneuerbaren sinkt, umso mehr EEG-Umlage müssen
die Kunden zahlen, weil so die Differenz zur festen
Einspeisevergütung ausgeglichen wird. Hinzu kommt, dass durch den
vielen billigen Ökostrom die wichtigen Gaskraftwerke, die wir als
Versorgungsreserve brauchen, zunehmend an Rentabilität verlieren und
daher nicht gebaut werden. Das alles lässt sich einfach nicht mehr
vermitteln. Deshalb müssen drei Dinge endlich in Angriff genommen
werden:Erstens darf das Thema Stromspeicherung nicht weiter auf die
lange Bank geschoben werden. Die Bundesregierung, welcher Couleur
auch immer, muss dieser Frage oberste Priorität einräumen und Anreize
setzen, damit das Problem so schnell wie möglich angegangen werden
kann. Zweitens ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) so
umzugestalten, dass die Verbraucher nicht länger dafür bestraft
werden, wenn die Erneuerbaren den Strompreis senken. Drittens muss
das bisherige Flickwerk ein Ende haben. Wir brauchen eine zentrale
Stelle, die das Jahrhundertprojekt Energiewende koordiniert und
steuert - übergreifend und unabhängig von Lobbyisten.
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Allgemeine Zeitung Mainz
Peter Schneider
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Datum: 02.04.2013 - 19:26 Uhr
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