Westfalenpost: Keine gute Zeit
Von Harald Ries
ID: 845520
Euro bekamen Neuwagenkäufer, wenn sie ihr altes Auto verschrotten
ließen. Offiziell lief die Aktion unter dem Namen Umweltprämie, aber
vor allem ging es darum, einen Absatzeinbruch der deutschen
Automobilindustrie in Folge der Konjunkturkrise zu verhindern.
Das ist, auch wenn ausländische Hersteller von Kleinwagen stärker
profitierten, zum Teil gelungen, während die ökologischen Vorteile
sich in Grenzen hielten. Das 5-Milliarden-Euro-Programm war in erster
Linie ein Triumph für die Industrielobby. Den wollen die
Kühlgeräte-Hersteller nun mit Blick auf die Strompreisdebatte
wiederholen. Ihre Erfolgsaussichten sind gering.
Das liegt an den völlig anderen Rahmenbedingungen: In Deutschland
ist von einem Einbruch der Industrieproduktion nichts zu spüren. Und
angesichts des Ärgers über die massiv steigenden Abgaben für
erneuerbare Energien dürfte die Bundesregierung wenig Neigung zeigen,
viel Geld für eine neue Öko-Subvention in die Hand zu nehmen. Die
politische Diskussion dreht sich derzeit eher um einen Abbau
staatlicher Eingriffe in den Markt, und der Haushalt ist durch
Euro-Risiken und Pseudo-Wohltaten wie das Betreuungsgeld genügend
belastet.
Richtig bleibt allerdings, dass Stromsparen ein bedeutender Teil
der Energiewende sein kann und muss. Doch anders als die Industrie
glauben machen will, sorgen neue Haushaltsgeräte nicht automatisch
für einen geringeren Verbrauch. Denn erstens geht der Aufwand für die
Neuproduktion auch in die Energiebilanz ein. Und zweitens sichert
sich ein Verbraucher, der einen neuen Kühlschrank in die Küche packt
und den alten im Keller weiter laufen lässt, zwar genügend kaltes
Bier, aber das Gegenteil einer sinkenden Stromrechnung.
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Datum: 02.04.2013 - 21:24 Uhr
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