Westfalenpost: Appell an den Instinkt
Von Stefan Hans Kläsener
ID: 852662
unser Land nach der Bundestagswahl im September regiert, ist gestern
erfolgt. Und zwar nicht in Augsburg, wo sich der gebeutelte
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Beifall der Genossen sonnen
durfte, sondern in Berlin. Dort gründete sich die Alternative für
Deutschland. Sie möchte mit einem klaren Anti-Euro-Kurs zur
Bundestagswahl antreten.
Der Gedanke ist so naheliegend wie verführerisch: Hätten wir uns
die Ängste und Sorgen um den Euro nicht ersparen können, wenn wir an
der D-Mark festgehalten hätten? Peer Steinbrück würde darauf
vermutlich schnodderig mit "Hätte, hätte - Fahrradkette" antworten.
Es ist in der Tat vergossene Milch, sich theoretisch
zurechtzuträumen, wie sich eine D-Mark im Währungswirrwarr geschlagen
hätte.
Sicher dagegen ist: Gerade mittelständische Unternehmen, wie wir
sie in Südwestfalen zuhauf haben, sehen im Euro einen Garanten für
bessere Bedingungen im internationalen Warenverkehr. Das Risiko von
Währungsschwankungen, die Marktchancen erheblich eintrüben können,
ist dadurch reduziert. Und kaum einer der bodenständigen Unternehmer
hierzulande möchte bei dem Abenteuer dabei sein, einem
Volkswirtschaftsprofessor in ein völlig unkalkulierbares
Ausstiegsszenario zu folgen. Den Experten gegenüber, das haben die
vergangenen Krisenjahre deutlich gemacht, ist eine gesunde Skepsis
angebracht.
Aber es ist verführerisch, weil es naheliegend ist: Ohne Euro
wären wir manche Sorgen los. Wie viele Wähler der Alternative für
Deutschland im September instinktiv folgen werden, kann niemand
vorhersehen. Sicher ist dagegen, dass damit der derzeitigen Koalition
Schaden entsteht. Möglicherweise entscheidender Schaden.
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Datum: 14.04.2013 - 19:17 Uhr
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