Neue OZ: Kommentar zu EU / Finanzen / Griechenland
ID: 863114
Die mit Kritik überhäuften Griechen verdienen zur Abwechslung
einmal ein Lob. Trotz aller Härten, trotz hoher Arbeitslosigkeit und
tiefer Rezession bleiben sie konsequent auf dem Reform- und
Sanierungsweg, den die internationalen Geldgeber vorgeben. Im
Parlament haben die griechischen Abgeordneten dabei jetzt mit einem
weiteren Tabu gebrochen: Erstmals werden Staatsbedienstete entlassen.
Um zu ermessen, welch tiefe Zäsur dies bedeutet, muss man sich vor
Augen führen, dass der Staatsapparat bis zum Jahr 2010 auf 768 000
Beschäftigte gewachsen war, und dies bei nur rund elf Millionen
Einwohnern. Aber der öffentliche Dienst ist nicht nur aufgebläht und
teuer, sondern auch noch ineffizient, unfähig, Steuern einzutreiben,
und oftmals sogar damit überfordert, Gelder aus EU-Töpfen abzurufen.
Die wirtschaftlichen Probleme wurden so immer größer, die Krise
nährte die Krise.
Mittlerweile zahlt sich jedoch der massive Druck aus, den die
Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem
Währungsfonds aufgebaut hat. Die Partner sind bereit zu helfen,
bestehen aber zu Recht darauf, dass im Gegenzug Reformen durchgesetzt
werden. Nur so können sie vermeiden, Geld in einem Fass ohne Boden zu
versenken. Nur so besteht die Chance, dass die angeschlagenen
Griechen einen Neuanfang schaffen. Sie gehen einen schweren Gang,
können aber immerhin sicher sein: Die Richtung stimmt.
Uwe Westdörp
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Datum: 29.04.2013 - 22:00 Uhr
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