Neue OZ: Kommentar zu Gesundheit /Ärzte
ID: 878343
Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery ist im Wahlkampfmodus. Der
kluge Lobbyist für rund 340 000 berufstätige Mediziner blickt vor dem
Deutschen Ärztetag auf die Parteiprogramme, weniger auf die
Koalition. Das ist nachvollziehbar, denn bis zur Bundestagswahl wird
sich gesundheitspolitisch nicht mehr viel ereignen.
Stattdessen widmet sich Montgomery dem Kampf gegen die
Bürgerversicherung. Zwar war dieses seit Jahren von SPD und Grünen
propagierte Modell auf deren Parteitagen im April nur ein Randthema -
doch in der Debatte um soziale Gerechtigkeit könnte es an Bedeutung
gewinnen. Von der Bürgerversicherung und folglich dem Wegfall des
Wettbewerbs zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung
(PKV) wären Mediziner direkt betroffen, zahlt ihnen doch die PKV mehr
Honorar als gesetzliche Kassen.
Aber die Ärzte argumentieren nicht nur mit Eigeninteresse und sind
damit gut beraten. Denn hinter dem schönen Wort Bürgerversicherung
verbirgt sich die Einheitsversicherung. Die gibt es in Schweden und
Großbritannien - mit negativen Folgen: Reiche Patienten suchen
Privatärzte auf. Diese Form der Zwei-Klassen-Medizin ist kein
Vorbild.
Dennoch: Die PKV muss reformiert werden, sie braucht Transparenz
und beständige Tarife. Und was die Ärzte angeht: Solange sie
Patienten gleich gut behandeln, dürfte deren Wunsch nach einem
Systemwechsel klein bleiben.
Christof Haverkamp
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Datum: 26.05.2013 - 22:00 Uhr
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