Kölner Stadt-Anzeiger: Ermittlungen gegen Polizei im Fall Lea-Sofie - Beamte gaben Hinweise nicht weiter
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Lea-Sofie hat die Staatsanwaltschaft Köln ein Ermittlungsverfahren
gegen die Polizei wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung
eröffnet. Der Grund ist, dass die Polizei einen Vermerk über den
schlechten Zustand der Wohnung, in der das Kind lebte, nicht
weiterleitete, berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger"
(Mittwochausgabe). Weil nicht klar ist, welcher Beamte für das
Versäumnis verantwortlich ist, richten sich die Ermittlungen derzeit
noch gegen Unbekannt, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.
In dem Polizeivermerk, der etwa drei Wochen vor dem Tod des Kindes
geschrieben wurde, ist von einer vermüllten und nicht kindgerechten
Wohnung die Rede. Die Beamten waren von Nachbarn gerufen worden, weil
sie sich durch Lärm aus der Wohnung gestört fühlten. Das Vermerk war
wochenlang nicht an das Jugendamt weitergeleitet worden und wurde auf
der Polizeiinspektion im Kölner Stadtteil Chorweiler erst wieder
entdeckt, nachdem das zweijährige Mädchen tot war. Klaus Röttgen,
Abteilungsleiter der Kölner Bezirksjugendämter, hatte betont, dass
die Lebenssituation von Lea-Sofie noch an dem Tag überprüft worden
wäre, an dem der Vermerk das Amt erreicht hätte.
"Da ist eindeutig ein Fehler geschehen", räumte der Leitende
Polizeidirektor Michael Temme im Gespräch mit dem "Kölner
Stadt-Anzeiger" ein. "Entweder handelte es sich um ein
bedauernswertes Versehen, denn überall, wo Menschen arbeiten, kann es
Fehler geben", so Temme: "Oder aber einer der zuständigen Beamten hat
mit Blick auf den Inhalt bewusst entschieden, dass der Vermerk erst
einmal nicht an das Jugendamt geht, sondern dass sich der für den
Bezirk zuständige Kollege um die Angelegenheit kümmern soll." Als der
Polizist, in dessen Bezirk Lea Sofie wohnte, nach seinem Urlaub
wieder im Dienst war, fand er das Papier in seinem Postfach und
reichte es an die mittlerweile gegründete Mordkommission weiter.
Am Freitag vergangener Woche war Patrik L., der Freund von Lea
Sofies Mutter, wegen Totschlags zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt
worden, weil er das Mädchen mit Fausthieben lebensgefährlich verletzt
hatte. Die Mutter Franziska M., die keine Hilfe holte und ihr Kind
über Tage hinweg langsam sterben ließ, erhielt sieben Jahre Haft
wegen Totschlags durch Unterlassen.
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Datum: 29.05.2013 - 01:00 Uhr
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