Neue OZ: Kommentar zu Türkei / Proteste
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Erlebt die Türkei nun auch eine Revolution junger, unzufriedener
Menschen, die sich eine arrogante, autoritäre Regierung nicht länger
bieten lassen wollen? Die Bilder der Straßenschlacht auf dem
Istanbuler Taksim-Platz mit brutal vorgehenden Sicherheitskräften
haben zwar verblüffende Ähnlichkeit mit denen vom Tahrir-Platz in
Kairo vor zwei Jahren. Dennoch hinkt der Vergleich.
Von einer Diktatur, die sich skrupellos mittels Geheimpolizei,
Folter, Mediengleichschaltung und Verletzung der Menschenrechte an
der Macht hält, ist die Türkei weit entfernt. Doch seit Monaten
vergrätzen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und seine Partei
AKP einen großen Teil der Bevölkerung zunehmend mit selbstherrlichem
Führungsstil und islamischen Moralvorstellungen. Der Appell für drei
Kinder pro Familie, das Alkoholverbot in der Öffentlichkeit und
eigenmächtig geplante Großprojekte sorgen für Unmut. Jetzt entzündete
sich die Lunte der Proteste an der Zerstörung eines belebten
Stadtparks.
Dieser Aufstand der türkischen "Wutbürger" ist ein Denkzettel für
Erdogan, der in zehn Jahren an der Macht zwar das Pro-Kopf-Einkommen
verdreifachen und für politische Stabilität sorgen konnte, aber den
Draht zu vielen Landsleuten verloren hat. Immerhin hat er die
Knüppelpolizei rasch zurückgepfiffen. Denn er weiß: In einem
demokratischen Land werden unbeliebte Regierungen abgewählt. Auch
dies unterscheidet die Türkei von Ägypten und Syrien.
Marcus Tackenberg
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Datum: 02.06.2013 - 22:00 Uhr
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