Allg. Zeitung Mainz: 18 Prozent plus x - Lars Hennemann zum Wahlkampf der SPD
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"Projekt 18 Prozent" verfolgte. Unter Guido Westerwelle machten sich
die Liberalen daran, zeitweise durchaus erfolgreich, die politische
Landschaft nachhaltig zu verändern. Allerdings wollte sich die FDP
aus dem einstelligen Prozentbereich an die angepeilte Marke
heranrobben. 2013 scheint es mit der SPD wieder eine Partei zu geben,
die - allerdings von 23 Prozent aus startend - zufrieden wäre, mit 18
Prozent (plus X) aus einem Wahlkampf herauszugehen. Anders lässt sich
die desaströse Vorstellung der Sozialdemokraten nicht erklären. Die
jetzt öffentlich werdenden Differenzen zwischen Spitzenkandidat
Steinbrück und Parteichef Gabriel sind nur ein weiterer Beleg für die
komplette Wirkungslosigkeit der Wahlkampfzentrale. Für die SPD mag
man dies bedauern oder nicht. Auf sie beschränkt bleibt das Thema
keinesfalls. Angela Merkel nämlich braucht, wenn Steinbrück weiterhin
von Rückschlag zu Rückschlag stolpert, nichts anderes zu tun, als
ihre Schlafwagentaktik, mit der sie das Land einlullt, bis zum 22.
September durchzuhalten. Bloß nicht zu viel Position beziehen, ab und
zu die eine oder andere zart links von der Mitte beheimatete Idee
entlehnen und ansonsten die Parole aussenden "Mit mir geht es
Deutschland doch gut". So wird die Abstumpfung vieler Wähler durch
die Volksparteien Realität, bei der einen aus Unfähigkeit, bei der
anderen aus Kalkül. Und es sieht bislang nicht so aus, als würden
potenzielle Juniorpartner davon profitieren. Wir sind noch knapp 100
Tage vom Wahltag entfernt, da kann noch viel passieren. Wenn nicht,
werden immer weniger aus Überzeugung an die Urnen gehen, manche
wenigstens aus Pflichtgefühl und immer mehr gar nicht. Und das wäre
verheerend.
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Datum: 16.06.2013 - 19:09 Uhr
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