Neue OZ: Kommentar zu Kunst / Kriminalität / Russland
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Der russische Konstruktivismus ist tot. Das ist die eigentliche,
die schreckliche Nachricht, die sich mit dem neuen
Kunstfälscherskandal verbindet. Denn nun kursieren Hunderte
gefälschter Kunstwerke auf dem Markt. Womöglich muss auch manches
heute noch bestaunte Museumsexponat demnächst als Fälschung
abgeschrieben werden. Die blanke Zahl der Fälschungen sorgt dafür,
dass das Verhältnis von echten zu falschen Bildern vollends aus dem
Lot kippt. Bei so vielen unechten Werken kann kein Experte mehr den
Überblick haben. Eine ganze Kunstepoche steht ab jetzt unter
Generalverdacht.
Die Folge: Kunsthändler werden von Bildern des Konstruktivismus
die Finger lassen, Kuratoren um diese zentrale Bewegung der Moderne
einen großen Bogen machen. Denn von nun an ist jeder Bilderkauf,
jedes Ausstellungsvorhaben aus diesem Bereich mit dem stillen Vorwurf
der Unechtheit belegt. Das trifft ausgerechnet einen Stil, der wie
kaum ein zweiter des 20. Jahrhunderts für den Traum der Künstler
steht, mit ihren Bildern eine ganz neue Zeit kreieren zu helfen. Der
Traum der Avantgarde verramscht: Dieser Schaden geht nicht nur in die
Millionen, er trifft auch die ideelle Substanz der Kunst. Und das ist
eine Tragödie ohne Ende.
Stefan Lüddemann
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Datum: 18.06.2013 - 22:00 Uhr
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