Die Geschichte des politischen Islam im Sudan in den Jahren 1955 bis 1985 und dessen Bedeutung für den sudanesischen Nord-Süd-Konflikt
Von Joschka Riedel – OPTIMUS Redaktion
Die völkerrechtliche Anerkennung des Südsudan als Mitglied der Vereinten Nationen im Juli 2011 symbolisierte einen auf internationaler Bühne gestalteten Neuanfang in der Beziehung zwischen dem Nord- und dem Südteil eines Landes, das den längsten Bürgerkrieg Afrikas zu bewältigen hatte.
Die Geschichte des politischen Islam im Sudan in den Jahren 1955 bis 1985 und dessen Bedeutung für d(firmenpresse) - In den bereits 1955 einsetzenden Auseinandersetzungen zwischen dem arabisch-muslimisch geprägten Norden und dem überwiegend afrikanisch-christlichen Süden des Sudan hatten über zwei Millionen Menschen ihr Leben verloren. Vor dem Hintergrund eines seit „09/11“ wachsenden öffentlichen Interesses an einer steigenden Politisierung des Islam untersucht Klaus Spiessberger in seiner Abschlussarbeit „Die Geschichte des politischen Islam im Sudan in den Jahren 1955 bis 1985 und dessen Bedeutung für den sudanesischen Nord-Süd-Konflikt“ besonders die religionspolitischen Phänomene in diesem Sezessionskrieg. Dabei beschränkt sich der Autor auf den ersten Abschnitt des Konfliktes, der von 1955 bis 1985 andauerte, während er die 2005 endende zweite Kriegsperiode weitgehend außer Acht lässt.
Nach einer historischen Kontextualisierung, die die Ursprünge der christlichen und islamischen Tradition im Sudan aufzeigt, und einer differenzierten terminologischen Annäherung an das Thema, in der besonders vor einer Gleichsetzung von islamisch bestimmter Politik und islamistischem Fundamentalismus gewarnt wird, widmet sich Spiessberger einer Analyse wichtiger Handlungsträger. Außer in ausländischen Machthabern, die eigene Interessen im Sudan verfolgten, erkennt er diese vornehmlich in charismatischen politisch-religiösen Führern wie Ismail al-Azhari, Sadiq al-Mahdi oder Hassan al-Turabi. Nach dem Erlangen der Unabhängigkeit von ägyptisch-britischer Kolonialherrschaft im Jahr 1956 seien es solche Führer gewesen, die in einer Personalunion als religiöse Chefideologen und Parteivorsitzende politische und religiöse Ziele verbanden, persönliche Interessen im Sinne eines Machtgewinns oder -erhalts verfolgten und identitätsstiftend die Errichtung eines islamischen Staates propagierten. Dieses Streben nach einer „Arabisierung und Islamisierung des Landes“ habe zu intensiven Abgrenzungsbemühungen gegenüber dem christlichen Süden geführt, die sich unter anderem in einer Bevorzugung der arabischen Sprache, der Einführung einer auf dem Koran gründenden Verfassung oder dem Ausschluss des Südens von politischer Partizipation äußerten. Diese und weitere Maßnahmen, die eine „Provokation des Südens“ bedeuteten und die „Dominanz des Nordens“ unterstreichen sollten, seien schließlich dem wesentlichen Hauptmotiv des politischen Islam, nämlich der „Durchsetzung eigener Ziele“ unterzuordnen.
Klaus Spiessberger, Magisterabsolvent an der Fernuniversität Hagen, weiß in seiner Abschlussarbeit die Komplexität des sudanesischen Bürgerkrieges zu würdigen, berücksichtigt neben religionsphänomenologischen auch ökonomische oder ethnopolitische Konfliktgründe und verschafft somit einen profunden Überblick über einen der verheerendsten Bürgerkriege Afrikas. Mit seinem Schwerpunkt auf einer differenzierten religionspolitischen Deutungsweise bietet er jedoch insbesondere Religions- und Politikwissenschaftlern einen umfassenden Nährboden für einen islamisch-christlichen Dialog.
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Datum: 24.06.2013 - 11:31 Uhr
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