Großbritannien nimmt OECD-Beschwerde gegen Hersteller von Überwachungssoftware an - Deutschland am

Großbritannien nimmt OECD-Beschwerde gegen Hersteller von Überwachungssoftware an - Deutschland am Zug

ID: 896682
(ots) - Berlin, 24. Juni 2013 - Die nationale Kontaktstelle
der OECD in Großbritannien hat heute die Beschwerde mehrerer
Menschenrechtsorganisationen gegen den Spähsoftware-Hersteller Gamma
angenommen. (http://bit.ly/15y5XnB) Reporter ohne Grenzen, das
European Center for Constitutional and Human Rights, Privacy
International, das Bahrain Center for Human Rights und Bahrain Watch
hatten im Februar in Deutschland und Großbritannien parallele
OECD-Verfahren gegen zwei IT-Firmen eingeleitet. Sie beschuldigen
beide Unternehmen, nicht ausreichend überprüft zu haben, ob ihre
Produkte zu Menschenrechtsverletzungen beitragen.

Die OECD-Beschwerden richten sich gegen die Münchener Trovicor
GmbH und die britisch-deutsche Gamma Group. Beide produzieren
Überwachungstechnologie, die von autoritären Staaten für
Menschenrechtsverletzungen eingesetzt werden kann. Informationen aus
abgefangenen Telefon- und Internetverbindungen sind in dem arabischen
Golfstaat Bahrain insbesondere seit dem Beginn der Massenproteste im
Februar 2011 verwendet worden, um Dissidenten festzunehmen und ihnen
unter Misshandlungen Geständnisse abzupressen. Es gibt deutliche
Hinweise darauf, dass Trovicor und Gamma entsprechende Technologie an
den Golfstaat geliefert haben. Das Land steht auf Platz 165 von 179
der von Reporter ohne Grenzen geführten Rangliste der Pressefreiheit.

"Die Annahme der Beschwerde gegen Gamma ist ein wichtiger Schritt,
um Journalisten weltweit vor solchen digitalen Waffen zu schützen",
sagte Christian Mihr, Geschäftsführer von REPORTER OHNE GRENZEN. Auch
Miriam Saage-Maaß vom EUROPEAN CENTER FOR CONSTITUTIONAL AND HUMAN
RIGHTS begrüßte die Entscheidung: "Die britische Kontaktstelle
zeichnet sich durch schnelles und transparentes Vorgehen aus. Es ist
zu hoffen, dass sich die deutsche OECD-Kontaktstelle im Fall Trovicor


an der britischen Entscheidung orientieren wird."

"Wir freuen uns, dass die nationale Kontaktstelle endlich
anerkannt hat, was wir schon lange fordern: Die Indizien deuten
darauf hin, dass Gammas Produkt FinFisher gegen Aktivisten eingesetzt
worden ist", sagte Eric King, Forschungsdirektor von PRIVACY
INTERNATIONAL. "Gamma muss sich seiner Verantwortung stellen und sich
mit den Auswirkungen seiner Produkte in Bahrain sowie möglicherweise
in weiteren Ländern auseinandersetzen. Wir hoffen, dass das
OECD-Verfahren Unternehmen wie Gamma nun veranlasst, ihre Grundsätze
und ihre Kunden genau zu überprüfen."

Die geschäftsführende Präsidentin des BAHRAIN CENTER FOR HUMAN
RIGHTS, Maryam Al-Khawaja, sagte: "Immer wieder haben wir darauf
hingewiesen, dass fehlende Rechenschaft einer der Hauptgründe für das
Fortdauern von Menschenrechtsverletzungen ist. Dies gilt auch für
Unternehmen, die Menschenrechtsverletzungen in Ländern wie Bahrain
ermöglichen. Diese Firmen dafür zur Verantwortung zu ziehen, dass sie
Software an Regierungen verkaufen, die Menschenrechtsverletzungen
begehen, wird ein großer Fortschritt nicht nur für Bahrain, sondern
auch auf internationaler Ebene sein."

Ala'a Shehabi von BAHRAIN WATCH betonte, dass bei Geschäften mit
repressiven Staaten wie Bahrain stets Vorsicht geboten sei. "Dieser
Fall ist der erste seiner Art und basiert auf soliden Indizien, die
die Beschwerdeführer geliefert haben. Er wird den Blick auf wichtige
grundsätzliche Fragen lenken: Wer Geschäfte macht, die sich direkt
gegen Demokratie-Aktivisten im Kampf um gleiche Rechte richten, kann
auf diese Weise zum Mittäter werden."

MEHR INFORMATIONEN UND HINTERGRUNDMATERIALIEN:

- Hintergrundpapier zu den OECD-Beschwerden: http://bit.ly/X2eb6p
- Pressemitteilung zur Einreichung der OECD-Beschwerden (6.
Februar 2013): http://bit.ly/UxCJGq
- ROG-Positionspapier zum Export deutscher Überwachungstechnologie
(Dezember 2012): http://bit.ly/TRCBPl
- ROG-Stellungnahme vor dem Bundestags-Unterausschuss "Abrüstung,
Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung" (17. April 2013):
http://bit.ly/13o3Tmx
- ROG-Bericht "Feinde des Internets" 2013 mit dem Schwerpunkt
Überwachungstechnologie: http://surveillance.rsf.org/en/ (auch
als PDF: http://bit.ly/XZyTaN)



Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Ulrike Gruska / Christoph Dreyer
presse@reporter-ohne-grenzen.de
+49 (0)30 60 98 95 33-55
www.reporter-ohne-grenzen.de

Privacy International
Mike Rispoli
mike@privacy.org
+44 (0) 20 7242 2836
www.privacy.org

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Menschenrechtsinstitut fordert strikte Begrenzung des Informationsaustausches zwischen Polizei und Nachrichtendiensten Plan-Report: Kinderheirat fördert Missbrauch und Armut / Kinderhilfswerk und Schauspieler Nik Breidenbach zeigen Dramatik der Frühverheiratung
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 24.06.2013 - 13:16 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 896682
Anzahl Zeichen: 4982

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Menschenrechte



Diese Pressemitteilung wurde bisher 220 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Großbritannien nimmt OECD-Beschwerde gegen Hersteller von Überwachungssoftware an - Deutschland am Zug"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Reporter ohne Grenzen e.V. (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Nur noch ein Prozent der Weltbevölkerung lebt in Ländern mit guter Pressefreiheit: Reporter ohne Grenzen veröffentlicht Rangliste der Pressefreiheit 2026 ...
Fünf Kernpunkte der Rangliste der Pressefreiheit 2026: - Zum ersten Mal in der 25-jährigen Geschichte der Rangliste der Pressefreiheit fallen mehr als die Hälfte aller Länder und Territorien der Welt in die Kategorien "schwierig" oder "sehr ernst". - "Gut" ist

Drei Jahre unter den Taliban: Bundesregierung lässt afghanische Journalisten im Stich ...
Nur sechs afghanische Journalistinnen und Journalisten haben es bisher geschafft: Sie konnten mit Hilfe von Reporter ohne Grenzen (RSF) über das Bundesaufnahmeprogramm Afghanistan (BAP) nach Deutschland kommen. Zum dritten Jahrestag der Machtübernahme der Taliban zieht die Organisation in einem Be

Reporter ohne Grenzen schockiertüber Gewalt gegen Journalisten in den USA ...
Reporter ohne Grenzen (RSF) ist entsetzt über die Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten in den USA, die nach dem Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd über Proteste gegen Polizeigewalt berichteten. Innerhalb weniger Tage kam es zu mindestens 68 Übergriffen auf Medienschaffende, da


Weitere Mitteilungen von Reporter ohne Grenzen e.V.


Menschenrechtsinstitut fordert strikte Begrenzung des Informationsaustausches zwischen Polizei und Nachrichtendiensten ...
Das Deutsche Institut für Menschenrechte fordert die strikte Begrenzung des Informationsaustausches zwischen Polizei und Nachrichtendiensten und eine entsprechende Novellierung der Übermittlungsvorschriften in den Verfassungsschutzgesetzen von Bund und Ländern. "Wer das informationel

Neuer Rekord beim Medienpreis 2013: So viele Bewerbungen wie noch nie ...
Fast 100 eingereichte Beiträge - so viele Journalisten und Fotografen wie nie zuvor haben sich in diesem Jahr um den Medienpreis "Kinderrechte in der Einen Welt" beworben. Rund 80 Beiträge entfallen auf die vier Kategorien Print/Online, Foto, TV und Hörfunk, weitere knapp 20 Beiträge

Ulrich Wickert Preis für Kinderrechte: Jury prämiert drei Medienbeiträge / Kinderhilfswerk Plan richtet Preisverleihung zum Welt-Mädchentag in Berlin aus ...
Den diesjährigen Ulrich Wickert Preis für Kinderrechte erhält der freie Journalist Andreas Boueke für seinen Radiobeitrag "Patti und ihre 13 Geschwister". Der Preis in der Sparte International geht an die Reporterinnen Gloriose Isugi und Noella Nbihogo in Ruanda. Mit dem Sonderpreis

Weltflüchtlingstag: Deutsches Institut für Menschenrechte kritisiert Populismus in Asyl- und Migrationsdebatte - zum 20. Juni ...
Das Deutsche Institut für Menschenrechte hat neue populistische Töne in der Asyl- und Migrationsdebatte kritisiert. In den Diskussionen über Asyl und Migration in Deutschland seien Äußerungen zu hören, die an die Asyldebatte Anfang der 1990er Jahre erinnerten, erklärte Beate Rudolf, Direk


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z