neues deutschland: Geschäfte mit Not und Tod / Soziologieprofessor Asit Datta kritisiert Entwicklungshilfepolitik der Bundesregierung
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Exporthilfe", urteilt der Soziologieprofessor Asit Datta im Interview
mit der Tageszeitung "neues deutschland" (Wochenendausgabe). Datta
schlägt vor, das von Dirk Niebel (FDP) geleitete Bundesministerium
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in "Ministerium
zur Förderung der deutschen Wirtschaft" umzubenennen: "Für jeden Euro
Hilfe fließen statt vormals 1,34 Euro nun 1,80 Euro an die deutsche
Wirtschaft zurück."
Am Donnerstag (27. Juni) hatten in Berlin international tätige
Hilfsorganisationen, darunter Misereor, Kritik an dem geringen
Entwicklungsetat im von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU)
vorgelegten Bundeshaushalt 2014 geübt. Der gebürtige Inder Datta (Jg.
1937), emeritierter Professor der Leibniz Universität Hannover, sagt,
es fließe nicht nur zu wenig Entwicklungshilfe, "sie ist vielfach
pure Heuchelei". Dies beträfe nicht nur Deutschland, sondern auch
andere westliche Staaten und internationale Institutionen. So würden
Afghanistan, Äthiopien, Kongo, Haiti und Pakistan die meisten Gelder
erhalten, obwohl sie das Kriterium "Good Governance" nicht erfüllen
und nach Transparency International zu den korruptesten Staaten der
Welt gehören. Es sei in diesen Empfängerländern nicht garantiert, so
Datta, dass die Mittel auch wirklich den Bedürftigen zugute kommen.
Für Hunger und Armut in der Welt macht das Gründungsmitglied von
German Watch und Kuratoriumsmitglied der Stiftung Zukunftsfähigkeit
auch die Weltbank, den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die
Welthandelsorganisation (WTO) verantwortlich: "Die drei Riesen
scheren sich kaum um die Not in den Entwicklungsländern."
Strukturanpassungsprogramme und Handelsliberalismus hätten "viel
Unheil angerichtet, Hunger und Not reproduziert und potenziert. Man
kann ohne Übertreibung sagen, sie gehen über Leichen."
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Datum: 28.06.2013 - 17:20 Uhr
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