BERLINER MORGENPOST: Die Stunde des Militärs
Jacques Schuster über den Umsturz in Ägypten und die Perspektiven für das Land
ID: 903970
wiederholt, was vor zwei Jahren schon einmal zu beobachten war: Das
Volk fegt seinen Präsidenten aus dem Amt. "Husni Mursi", hatte die
aufgebrachte Menge auf dem Kairoer Tahrir-Platz gerufen. Damit zog
sie die Verbindung zu seinem Vorgänger, dem Autokraten Husni Mubarak,
der ebenfalls von den Ägyptern gestürzt worden war. Der erneute Fall
eines Staatsoberhauptes wird das Selbstbewusstsein der Ägypter
stärken. Vielleicht wird das Land doch noch irgendwann eine
Demokratie. Doch gemach. Am Sturz des Muslimbruders Mursi war das
ägyptische Militär beteiligt. Ohne das Ultimatum der Armee stünde
Mohammed Mursi auch heute noch an der Spitze des Staates. Manche
Beobachter sprechen bereits von einem Putsch. Sie liegen nicht ganz
falsch und nicht ganz richtig. Nicht ganz falsch ist es, weil die
Armee den demokratisch gewählten Präsidenten unter Arrest gestellt
hat und gegen die Anhänger seiner Bewegung vorgeht. Nicht ganz
richtig, weil das Militär nicht sämtliche Hebel der Macht ergriffen
hat. Die Heeresleitung unter General Abdel Fattah al-Sisi scheint
nicht daran interessiert zu sein, eine Junta zu bilden und fortan die
Geschicke des Landes an vorderster Stelle zu bestimmen. Sie will
Stabilität, Berechenbarkeit und Ordnung. Der Westen kann dies nur
begrüßen und hoffen, dass die Armee der türkischen unter Atatürk
gleicht, sprich: das Land modernisiert und in einen Rechtsstaat
verwandelt. Ob es tatsächlich so kommt, lässt sich zur Stunde nicht
sagen. Die Geschichte der ägyptischen Armee ist alles andere als
makellos. Wer deswegen geneigt ist, ihre jüngsten Schritte zu
verurteilen, der bedenke, aus welchem Grund das Militär eingriff: Es
war das Versagen der Politik, die Geschicke des Landes mit Blick auf
das Gemeinwohl zu bestimmen. Wie es weitergeht, ist offen. Wird es
zum Bürgerkrieg wie in Algerien Anfang der 90er-Jahre kommen, als die
algerische Armee gegen die Islamisten vorging und 150.000 Menschen
starben? Eine verlässliche Antwort lässt sich zur Stunde nicht geben.
Die ersten Schritte der Kairoer Generäle deuten nicht darauf hin,
dass es am Nil darauf hinauslaufen könnte. Auch die Muslimbrüder
scheinen vor dem Äußersten zurückzuschrecken. Viele von ihnen sind
von der katastrophalen Amtsführung ihres Präsidenten genauso
abgestoßen wie die liberalen Kräfte des Landes. Die Salafisten
wiederum standen Mursi seit eh und je kritisch gegenüber. Das
Schlimmste könnte also ausbleiben. Dennoch sollte sich keiner
täuschen. Ägypten steckt in der größten Wirtschaftskrise seit Ende
der Monarchie. Fast 50 Prozent der Ägypter leben in Armut. Allein
1500 Fabriken schlossen in den vergangenen zwei Jahren. Die Zahl der
Raubüberfälle nahm innerhalb eines Jahres um 350 Prozent zu. Mohammed
Mursi scheiterte, weil er die Not des Landes nicht mildern konnte.
Werden es die neuen Machthaber besser machen? Man kann es nur hoffen.
Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST
Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 04.07.2013 - 19:50 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 903970
Anzahl Zeichen: 3346
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Berlin
Kategorie:
Außenhandel
Diese Pressemitteilung wurde bisher 233 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"BERLINER MORGENPOST: Die Stunde des Militärs
Jacques Schuster über den Umsturz in Ägypten und die Perspektiven für das Land"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
BERLINER MORGENPOST (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den
"Berliner Morgenpost": Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den
"Berliner Morgenpost": Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den
Weitere Mitteilungen von BERLINER MORGENPOST
Stuttgarter Nachrichten:Ägypten ...
So viel aber dürfte feststehen: Der Aufstand der Generäle ist kein Rückschlag. Mögen jetzt alle, die in den letzten Monaten vehement vor dem gefährlich spaltenden islamistischen Kurs des abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi gewarnt haben, das Eingreifen der Militärs als Putsch und der za
neues deutschland: Sich selbst besiegt ...
Mursi ist gestürzt, und im Nachhinein sieht es nach langfristiger, kluger Regie aus - des Obersten Militärrates. Zum Jahreswechsel 2011/12 fuhren die Muslimbrüder-Parteien überwältigende Wahlsiege ein, später ebenso ihr Präsidentschaftskandidat Mursi. Der nutzte die Stunde des Erfolgs, entl
neues deutschland: Portugiesische Linkspolitikerin Matias sieht Regierung Coelho am Ende ...
Die Europaabgeordnete und Vize-Vorsitzende der Europäischen Linken, Marisa Matias, sieht große Chancen für Neuwahlen in ihrem Heimatland Portugal. Nach den Rücktritten des Finanzministers Vitor Gaspar und des Außenministers Paulo Portas in dieser Woche stecke die rechtskonservative Koalition
NRW goes to ASEAN: Unternehmerreise im November 2013 / Indonesien und Myanmar im Fokus der NRW-Außenwirtschaftsförderung ...
Gegensätzlicher könnten die Ziele der NRW-Unternehmerreise nicht sein: Steht mit Indonesien ein expansiver Markt auf dem Programm, zu dem die deutsche Wirtschaft traditionell gute Beziehungen unterhält, betreten die Unternehmen mit ihrer Reise nach Myanmar dagegen völliges Neuland. Seit




