Badische Neueste Nachrichten: Abenteuer
ID: 914671
Opposition eine Militärintervention im Nachbarland Syrien, um dort
die Entstehung einer kurdischen Autonomiezone zu verhindern. Ein Jahr
vor wichtigen Wahlen soll die Forderung die Regierung Erdogan in die
Bredouille bringen. Das ist das Vorrecht einer Opposition, doch auch
die türkischen Nationalisten wissen, dass der Ruf nach einem
Einmarsch zwar richtig schön entschlossen klingt, seine Umsetzung in
die Realität aber ein unkontrollierbares Abenteuer wäre, das unter
anderem den Iran zum direkten Eingreifen im syrischen Bürgerkrieg
ermuntern könnte. Auch wenn in der Türkei derzeit das Schreckgespenst
einer autonomen Kurdenregion jenseits der türkischen Grenze beschwört
wird, dient das vor allem dem Wahlkampf. Im benachbarten Irak hat
sich die Türkei mit einer ganz ähnlichen Kurdenzone längst arrangiert
und unterhält inzwischen glänzende politische und wirtschaftliche
Beziehungen zu den irakischen Kurden. Derzeit denkt Premier Erdogan
offenbar nicht an eine Intervention in Syrien; auch der jüngste
Hinweis der US-Militärs auf die Kosten und Risiken eines solchen
Einsatzes dürfte in Ankara aufmerksam studiert werden. Doch sollten
sich die syrischen Kurden anders als ihre Vettern im Irak nicht mit
einer begrenzten Selbstverwaltung zufriedengeben, sondern einen
eigenen Staat anstreben, wird der um Wählerstimmen kämpfende Erdogan
unter erheblichen Druck geraten, mehr zu tun als nur zu schimpfen und
zu warnen. Es fehlt also nicht viel zum allseits befürchteten
regionalen Flächenbrand. Wird die internationale Gemeinschaft etwas
tun, um ihn zu verhindern?
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Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
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Datum: 23.07.2013 - 22:55 Uhr
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