Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR Journalisten wehren sich gegen Überwachung Dienst an der

Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR
Journalisten wehren sich gegen Überwachung
Dienst an der Demokratie
THOMAS SEIM

ID: 931894
(ots) - In dieser Woche zwangen britische Geheimdienste
die Zeitung Guardian, die Festplatte ihres Laptops zu zerstören. Der
Chefredakteur erklärte später, er habe sich dem Zwang gebeugt, weil
ein Verfahren gedroht hätte, in dessen Verlauf die Zeitung nicht mehr
hätte über den Fall des US-Bürgers Snowden hätte berichten dürfen,
der seit Monaten Informationen aus geheimen Quellen über
Rechtsverstöße des US-Geheimdienstes NSA verbreitet. Das ist
eine gefährliche Entwicklung. Sie bedroht die Freiheit der
Berichterstattung. Journalisten sind nicht nett, eher lästig. Sie
sind anstrengend. Für Politiker, Beamte, Wirtschaftsführer, Sportler
- Menschen des öffentlichen Lebens. Diese Gruppen haben ein
gespaltenes Verhältnis zu Journalisten. Und umgekehrt. Auch wir
Journalisten vertrauen niemandem. Freundschaften gibt es in dem Job
kaum. Nähe zu den Genannten gar nicht. Und wenn es sie gibt, dann
stehen sie immer unter dem Vorbehalt des Misstrauens, dass Privates
doch öffentlich werden kann oder muss. So ist die Rollenverteilung.
Entscheidend für Journalisten ist, ob sie ohne Einschränkung Fakten
recherchieren und veröffentlichen dürfen. Dieses in Artikel 5 des
Grundgesetzes verbriefte Recht gehört zu den Grundwerten unseres
Gemeinwesens. Auch Journalisten irren und gehen fehl. Man muss nur an
die furchtbaren Bilder des Gladbecker Geiseldramas vor 25 Jahren
denken, um selbstkritisch Schuld anzuerkennen. Damals haben sich
Journalisten vorübergehend gemein gemacht mit der Story der Gangster.
Das war eine schlimme Erfahrung. Trotz unserer Selbstkritik damals
gibt es keine Garantie, dass so etwas nicht wieder geschieht. Auch
das gehört zu unserer bitteren Wahrheit. Aber ohne Zeitungen und ihre
Journalisten würde nichts besser, sondern vieles schlimmer. Ganz
gleich, ob es um die Überwachungsaffären der Geheimdienste, um die


Fotos von den Misshandlungen in Abu Ghraib oder auch um die
Berichterstattung über Missstände in Bielefelder Krankenhäusern geht:
Ohne Journalisten gäbe es die Missstände vermutlich noch und die
Verantwortlichen wären nicht zur Rechenschaft gezogen worden. Das ist
Dienst an der Demokratie. Vor 45 Jahren telefonierte der damalige
noch amtierende US-Präsident Richard Nixon kurz nach einer
Fernsehansprache zur Watergate-Affäre, die Journalisten aufdeckten,
mit einem seiner späteren Nachfolger, George Bush senior. Nixon sagte
laut einem jüngst veröffentlichten Protokoll: "Die Leute könnten es
vielleicht verstehen." Aber: "Zur Hölle mit den Kommentatoren." So
lange es Journalisten gibt, die Nachrichten und Ereignisse auf
Wirklichkeit, auf Wahrheit überprüfen, gibt es für Politiker,
Betrüger, Doping-Sünder, Beamte und Wirtschaftsführer keine Garantie,
dass ihre Ungesetzlichkeiten unentdeckt bleiben. Das ist lästig
manchmal, ja. Und wir sind darüber nicht immer glücklich, ja. Aber
darin bestehen Wert und Leistung von Redaktionen. Das ist
konstitutives Element unserer Demokratie.



Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema: Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Haushaltsüberschuss
In die Zukunft investieren
HANNES KOCH, BERLIN
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 23.08.2013 - 20:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 931894
Anzahl Zeichen: 3393

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Bielefeld



Kategorie:

Politik & Gesellschaft



Diese Pressemitteilung wurde bisher 209 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR
Journalisten wehren sich gegen Überwachung
Dienst an der Demokratie
THOMAS SEIM
"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Neue Westfälische (Bielefeld) (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Höhe der Rente hängt auch vom Wohnort ab ...
Die Höhe der Rente unterscheidet sich in NRW von Wohnregion zu Wohnregion teils erheblich. Bei Männern macht es im Jahr einen Unterschied von 5.000 Euro aus, ob sie in Münster (1.185 Euro/Monat) oder im Rhein-Erft-Kreis (1.591 Euro/Monat) leben. Frauen in Gelsenkirchen (818 Euro) bekommen im Jahr

Hunderte Verstöße gegen Spritpreisregel in NRW bleiben folgenlos - ADAC kritisiert "zahnlosen Tiger" ...
Hunderte Tankstellen in Nordrhein-Westfalen verstoßen gegen die gesetzliche Spritpreisregel - doch geahndet wird bislang kein einziger Fall. Seit Anfang April wurden in NRW insgesamt 2.634 unzulässige Preiserhöhungen durch 447 Tankstellen registriert, wie aus einer Analyse von Daten des Bundeskar

Verdi-Chef Werneke: AfD hätte bei uns keine Chance ...
Bielefeld. Verdi-Chef Frank Werneke sieht derzeit keinen wachsenden Einfluss der AfD auf die Gewerkschaften im Land. Auf die Frage im Interview mit der "Neuen Westfälischen" (Bielefeld), ob der Einfluss der AfD auch in Gewerkschaften zunehme, sagt Werneke: "In den Gewerkschaften nich


Weitere Mitteilungen von Neue Westfälische (Bielefeld)


Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema: "Zu viele Operationen in Deutschland" ...
Wahrscheinlich ist unser System der gesetzlichen Krankenkassen für Patienten das beste der Welt. Neue Hüfte, neues Knie - alles wird bezahlt. Das weckt Begehrlichkeiten. Etliche der ständig unterfinanzierten Krankenhäuser nutzen offenbar überflüssige Eingriffe, um so das Geld zu beschaffen,

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zuÄgypten und die Folgen ...
Wenn eine Armee gegen intolerante Religionsanhänger kämpft, haben Demokratie und Menschenrechte kaum eine Chance. Das gilt derzeit in Ägypten, wo sich Soldaten und Islamisten gegenseitig umbringen. Und das galt zu anderen Zeiten zum Beispiel in der Türkei, in Algerien, Syrien, Pakistan, der

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Finanzminister Schäuble ...
Noch 29 Tage bis zur Wahl und was ist die politische Erkenntnis der Woche? Wolfgang Schäuble ist Angela Merkels bester Mann. Wer solche Zahlen vorweisen kann, hat bei seinen Kundgebungen auf den Marktplätzen und im Gespräch mit den Bürgern eine Sorge weniger. Mitten in der Euro-Schuldenkrise

Westdeutsche Zeitung: Nach einem bislang müden Wahlkampf geht's jetzt richtig los = Von Martin Vogler ...
Nur vier Wochen bis zur Wahl - und kaum einer schert sich drum. Das mag an Schulferien und Sonnenschein liegen. Doch vor allem haben die Kanzlerkandidaten dafür gesorgt. Herausforderer Peer Steinbrück müht sich zwar redlich, aber die Rolle einer charismatischen Persönlichkeit, die die Massen


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z