Weser-Kurier:Über Antibiotika in der Tiermast schreibt der "Weser-Kurier" (Bremen) in seiner Ausgabe vom 7. September 2013:
ID: 940282
schimpfen sie alle auf ihn, weil er aus Sorge um seinen Tierbestand
im Großstall zu viel Antibiotika verfüttert. Was soll er tun? Das
Risiko eingehen, am Ende den ganzen Bestand draufgehen zu lassen? Da
geht er doch lieber auf Nummer sicher - und schadet an erster Stelle
seiner eigenen Gesundheit. Denn sein Risiko, an einem
multiresistenten Keim zu erkranken, ist 138-mal höher als das von
anderen Berufsgruppen, wie das Robert-Koch-Institut herausgefunden
hat. Auf die Tierärzte zu schimpfen, die die Antibiotika
verschreiben, hilft auch nicht weiter. Denn die meisten Veterinäre
kümmern sich in erster Linie um das Wohl der Tiere. Auch sie wollen
verhindern, dass am Ende vielleicht der ganze Bestand getötet werden
muss. Gleich, ob es um Antibiotika-Einsatz, verseuchtes Futter,
gequälte Tiere oder was auch immer für Skandale geht - solange
Massentierhaltung rentabel ist für die Branche, solange werden diese
Schattenseiten bleiben. Und rentabel bleiben die großen Ställe,
solange Nachfrage da ist: nach billigem Hähnchen-, Puten- oder
Schweinefleisch. Da helfen auch keine weiteren Gesetze großartig
weiter, die den Bauern etwa zwingen, die Antibiotika-Vergabe strenger
zu dokumentieren. Wer weiß schon, ob das, was auf dem Papier steht,
mit der Wirklichkeit übereinstimmt? Nun ist es leicht, einer
Tierhaltung à la Bullerbü das Wort zu reden. Doch die wird es nicht
mehr geben. Wenngleich: Selbstvermarkter, Zertifizierungen von
Fleisch aus artgerechter Haltung und regionale Vermarktungsstrukturen
sind zumindest Hoffnungsschimmer. Aber am Ende des Tages hilft beim
Kampf gegen die Antibiotika-Resistenzen nur eins: dass Verbraucher
resistent werden gegen Billigfleisch.
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Datum: 06.09.2013 - 20:35 Uhr
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