Badische Neueste Nachrichten: Spottlust
ID: 955094
Sagt man. Stimmt der Satz, dann müsste es die Bundeshauptstadt
derzeit an Gaudi mit dem Oktoberfest aufnehmen können. Jedenfalls ist
in die deutsche Politik, oft als nüchtern geschmäht, die
Schadenfreude gerade als vorherrschende Empfindungsart eingezogen:
Selten hat ein Wahldebakel so viele hämische Kommentare ausgelöst wie
der tiefe Fall der FDP. Das Netz quillt nur so über an mehr oder
minder kreativen Sticheleien, in Leserbriefen wird dreister
formuliert denn je und nicht wenige Abgeordnete empfangen in rüdem
Ton verfasste Briefe. Die FDP war ja nie dem Bestreben abhold,
Politik mit Gefühl zu verbinden - wer wird je den Spaßwahlkampf mit
dem Guidomobil vergessen. Aber so richtig erfolgreich ist die Partei
damit unfreiwillig erst jetzt, im Niedergang. Nüchtern betrachtet
gibt es dafür viele Gründe. Schließlich gibt es keine andere Partei,
die so viele Jahre an den Fleischtöpfen der Macht schwelgen durfte
wie die Liberalen. Die Völlerei hatte Folgen, die Partei, die sich in
der großen Tradition des deutschen Liberalismus wähnt, wurde
inhaltsleer. Verkam zur selbst ernannten Funktionspartei. Jetzt ist
nach dem Inhalt auch die Funktion weg, was für eine Realsatire! Aber
der Niedergang heißt nun für rund 500 Mitarbeiter von abgewählten
Abgeordneten Koffer packen, Schreibkräfte, Büroleiter, Berater müssen
zum Arbeitsamt. Sie haben am Wahltag erst einmal ihre Existenz
verloren. Möglicherweise werden es noch mehr, denn die finanzielle
Lage der FDP dürfte sich verschlechtern und weitere Streichungen in
parteinahen Einrichtungen nach sich ziehen. Mitleid muss man nicht
haben. Aber die Folgen der übers Land schwappenden Spottlust sollte
nicht ganz aus dem Blick geraten. Wer sich in der Politik engagiert,
tut dies in einer Demokratie stets auf Zeit. Das birgt hohe Risiken
für den eigenen Lebensentwurf. Immer weniger Bürger gehen heute das
Risiko ein, gestalterische Macht für einige Jahre zu übernehmen. In
den Kommunalparlamenten macht sich das bemerkbar, für manches
Bürgermeisteramt gibt es schon jetzt kaum mehr Bewerber - und
Menschen, die einen gut bestallten Posten aufgeben, um sich auf dem
Schleudersitz als Parlamentarier zu bewähren, sind seit langem schon
Mangelware. Keine Frage, der persönlich zu leistende Preis für
politisches Engagement ist hoch. Und er wird noch höher, wenn zum
Schaden auch der Spott sich gesellt.
Pressekontakt:
Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
Telefon: +49 (0721) 789-0
redaktion.leitung@bnn.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 01.10.2013 - 21:01 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 955094
Anzahl Zeichen: 2825
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Karlsruhe
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 165 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Badische Neueste Nachrichten: Spottlust"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Badische Neueste Nachrichten (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Auf der Zielgeraden der Legislaturperiode haben Union und FDP noch ein Gesetz durch den Bundesrat bekommen, das die Rechte der Verbraucher nachhaltig stärkt. Mit abschreckend hohen Bußgeldern und neuen Obergrenzen für Gebühren will es unlauterer Telefonwerbung, übereifrigen Inkassobüro
Weitere Mitteilungen von Badische Neueste Nachrichten
Badische Neueste Nachrichten: Schwierige Zeiten ...
Es gab Zeiten, da zog der Arbeitsmarkt nach dem Ende der Sommerferien in den Unternehmen deutlich stärker an. Immer deutlicher sind auch am deutschen Jobmarkt die Folgen der Euro-Krise abzulesen. Die Sparpolitik in vielen europäischen Ländern führt dazu, dass so manches Auftragsbuch nicht meh
Stuttgarter Nachrichten: Kommentar zu Einheit ...
Einmal werden wir noch wach - heißa, dann ist Einheitstag! Bringt diese Anlehnung an ein Weihnachtslied die Stimmung im Land auf den Punkt? Eher nicht. Ja, das hat auch mit dem Datum zu tun. Zu feiern, dass der Einigungsvertrag am 3. Oktober 1990 besiegelt wurde - das ist sehr deutsch. Die Franz
Rheinische Post: Amerikas Hasardeure = Von Frank Herrmann ...
Man hat sich fast schon gewöhnt an Washingtons Haushaltsdramen, an blockierte Etats und ein Pokern ums Schuldenlimit, das die Zahlungsfähigkeit der stärksten Volkswirtschaft der Erde gefährdet, als handelte es sich um eine Bananenrepublik. Der radikalen Rechten geht Barack Obamas Gesundheit
Rheinische Post: Echte Hilfe für Familien = Von Eva Quadbeck ...
Eine Reihe von Ökonomen haben im Sommer der Familienministerin die Schlussfolgerung nahegelegt, dass Ehegattensplitting und Familienmitversicherung nicht zielführend seien. Kristina Schröder ist nicht über das Stöckchen gesprungen, sondern hat ihre Interpretation der Bewertung familienpolit




