Neue OZ: Kommentar zu Prozess / Wulff
ID: 980407
Kurios: Da wird ein immenser Aufwand betrieben mit einem Prozess,
dessen Ausgang eigentlich egal ist. Wird Christian Wulff
freigesprochen, werden seine Kritiker behaupten, juristisch sei ihm
nicht beizukommen. Moralisch aber sei sein Verhalten verwerflich
gewesen. Muss der Ex-Präsident zahlen, ist die Sache sowieso klar.
Somit liegt die eigentliche Relevanz der Affäre nicht darin, ob
nach Dutzenden und teils lächerlichen Anschuldigungen nun ein
justiziabler Verstoß vorliegt oder nicht. Wulffs Geschichte ist
vielmehr die einer klassischen Tragödie. Aus einfachen Verhältnissen
stammend, arbeitete er sich beharrlich nach oben. Rückschläge gab es
reichlich. Doch Wulff wuchs daran, lag später sogar ganz vorn im
Ranking der beliebtesten Politiker.
Nur: Irgendwann in diesen Jahren, vielleicht als gerechten Lohn
für seinen Weg empfunden, wuchsen die Ansprüche. Immer noch mühte
sich Wulff, einwandfrei zu arbeiten. Eine böse Absicht zu
unterstellen geht fehl. Aber zu sehr legte Wulff es darauf an, die
Früchte seines Erfolgs zu genießen - auch dann, wenn sie faulig
waren.
Was folgte, ist bekannt: Zwei Ehen zerbrochen, das Amt verloren,
finanziell am Boden und von Häme verfolgt. Vor Gericht mag nun also
ein Urteil ergehen. Die eigentliche Aufarbeitung findet aber besser
andernorts statt. Denn jeder sollte aus diesem Lehrstück seine
eigenen Schlüsse ziehen. Ob neidzerfressener Ankläger oder auch
selbst mal in Gefahr, die Erdung zu verlieren: In diesem Drama findet
sich jeder wieder.
Burkhard Ewert
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Datum: 13.11.2013 - 22:00 Uhr
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